Pressematerial BAUhahaHAUS

bebaut bewohnt belustigt

Die angefügten Bildmaterialien dürfen honorarfrei ausschließlich im Zusammenhang mit Berichterstattung über die Ausstellung BAUhahaHAUs unter Nennung der BildautorInnen verwendet werden.

Eröffnung: Donnerstag 4. Mail 2017 | 19 Uhr

Kuratorinnenführungen
Dienstag I 9. Mai 2017 I 17.30 Uhr
Mittwoch I 17. Mai 2017 I 17.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 5. Mai bis 17. Juni 2017
Mittwoch – Samstag: 14.00 – 17.00 Uhr, Freitag 14.00 – 20.00 Uhr

Wenn Städte auch organisch „wachsen“ mögen und Hochhäuser in der Wüste „sprießen“, obgleich Moos den Asphalt unserer Straßen besiedelt, neben „Grünen Lungen“ und Verkehrsinseln – unsere gebaute Umwelt bleibt dennoch das prägnanteste Sinnbild für Leblosigkeit und Unbeweglichkeit. Sie rührt sich erst dann, wenn sie bröckelt, sie erwacht zum Leben, wenn ihr Lebenszyklus am Ende ist … Ha!

Humor, Paradox und Absurdität sind die Register, mit denen wir uns der menschlichen Fehlbarkeit stellen – und dazu zählen auch die behauenen Steine, die wir aufeinanderstapeln, um in ihnen zu überleben und von ihnen überlebt zu werden. Architektur wird unentrinnbar und auf komischste Weise Teil der großen Entropie. In den Augen der Spötter bewegt sie sich immer schon auf einen Schutthaufen zu, versiegelt mit Zement und Sarkasmus. Aber es gibt nicht nur diese existenzielle Schadenfreude an der Gewissheit, dass jede neue Pyramide aller selbsternannten Pharaonen dereinst spurlos verschwinden wird, im Humor liegt au ch die Erlösung für das Habitat des homo sapiens: die Lust am Spielerischen, die Provokation des Experiments, die schiere Lebensfreude nähren wie bei Pygmalion unsere Hoffnung und Hybris. Baubooms kommen und Immobilienblasen platzen – aber wir setzen wie Sisyphos unbeirrbar weiter Stein auf Stein, nur um sie am Ende wieder einstürzen zu sehen – zuverlässig wie der Gag mit der Bananenschale. Mauern, die einfach nicht halten wollen, schiefe Türme und das unvermeidlich undichte Dach – eine nicht enden wollende Litanei von Unglücken und Fehlgriffen lehrt uns Demut.

Aber fragen wir doch ganz direkt: was macht in der Architektur einen Witz aus? Liegt er im spitzbübischen Schabernack, wenn der Schornsteinfeger „ganz zufällig“ seinen großen Hut im Kaminabzug vergisst oder der beleidigte Anstreicher vergammelte Eier in die Wandfarbe mischt (nicht ganz der Eierschalenton, den sich die Auftraggeber erhofft hatten). Oder geht es um die ganz großen „Streiche“, um geplante Obsoleszenz industriellen Ausmaßes? Man könnte die Frage auch als eine der Theorie stellen: Sind nicht die Stilmixe und Brechungen des postmodernen Pastiches der eigentliche Witz?

Wir mögen eine einfache Hütte nicht länger überheblich für ein witziges Haus halten, aber in einer postfaktischen Welt ist es ebenso irrelevant, wenn wir die Prunkvillen der Neureichen als mit einem müden Lächeln belegen. Hat man jemals eine Bausünde aus Ironie begangen? Können wir uns über durchgeplante Neubaugebiete nicht wegen, sondern trotz ihrer hartnäckigen Albernheit amüsieren? Müssen Sozialbauten immer so ernst und smart homes so streberhaft daherkommen?

Die Apparate des frühen Maschinenzeitalters mit ihren ungelenken Bewegungen produzierten Gags am laufenden Band, was aber ist an der geisterhaften Funktionalität eines smart house lustig? Wie sieht der digitale Spott aus? Weit entfernt von der Behaglichkeit eines Känguru-Beutels sind unsere Behausungen keinesfalls so mobil und modular, so organisch und intelligent, wie es uns eine verführerische Rhetorik weismachen will. Intelligente Wegweiser sind zwar komplexe, keinesfalls aber unfehlbare Systeme. Mauerziegel sind keine Stammzellen, trotzdem wollen wir ihnen Empfindsamkeit verleihen, indem wir eine architektonische Landschaft mit Sensoren, Touchpads und Propriorezeption bauen? Ist eine Parodie dieser schönen neuen neurobiologischen Welt überhaupt möglich, in der das Bewusstsein von dem Prozessor (und seiner Maxime der Geschwindigkeit) zum ebenfalls effizienten Paradigma der Peripherie-Plazenta übergeht? Ist Spott geboten, wenn aus der Wohnmaschine urbane Gebäudehüllen,  mondäne Erlebnislandschaften und adrette Einfamilienpods werden? Oder sollten wir einfach zufrieden lächeln, wenn eine App jeden unserer Wünsche im Handumdrehen befriedigt?

Um diese vertrackten Konstellationen in Gigabytes von Gelächter aufzulösen, richtet das Architektur Forum Österreich (Linz) unter der Überschrift GEODESIC SARDONIC eine Ausstellung kuratiert von Rositza Alexandrova, deren letztes Arbeitsstipendium in ‘Catalepsis’ auf den Stufen der ETH Zürich mündete. Dr. Alexandrova studierte in Princeton und promovierte in Cambridge. Nach Forschungsaufenthalten an der Architectural Association School of Architecture und EHESS Paris, unterrichtet sie derzeit Geschichte des Humors und der Avantgarden an der Humboldt-Universität Berlin.

Mehr zum Thema