ArchitekTOUREN

locus iste - Kirchen Neubauten in OÖ, 1963 - 2010

Seit dem zweiten Vatikanischen Konzil (1963) ist die gemeinsame Feier der Messe das zentrale Element der Kirche. Und obwohl es für dieses Zusammentreffen keinen spezifischen Raum braucht, sind Kirchen doch meist besondere, bedeutungsvolle Orte, die sich bewusst vom Alltag absetzen.
Die Individualisierung unserer Gesellschaft (und damit auch des Glaubens) bringt es mit sich, dass das einheitliche Bild "der Kirche" als Bautypus zunehmend an Bedeutung verliert. Kommunikative und gemeinschaftsbildende Aufgaben gewinnen an Einfluss gegenüber der Kirche als im öffentlichen Raum sichtbares Zeichen des Christentums.
Weit entfernt von einer "Standardlösung" zeigen zeitgenössische Kirchenbauten eine Vielfalt an Räumen, Situationen und Sichtweisen.

Auswahl, Text: Veronika Müller

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11 Bauwerke gefunden:
01

Theresienkirche

Losensteinerstrasse 6, 4020 Linz, A
PlanerIn: Rudolf Schwarz (1958-1962) BauherrIn: Diözese Linz Zugänglichkeit: Tel: +43 732 671303

Bürozeiten:
Mo, Di, Mi und Fr von 8.00 - 12.00 Uhr
Do von 15.00 - 19.00 Uhr
Erreichbarkeit: Anfahrt über A7 Mühlkreis-Autobahn:
1. von der A1 aus Richtung Salzburg bzw. aus Richtung Wien kommend beim Knoten Linz auf die A7 Mühlkreis-Autobahn abfahren
2. geradeaus weiter auf A7 Mühlkreis-Autobahn (6,4 km)
3. Abfahrt von A7 Mühlkreis-Autobahn bei Abfahrt Unionstraße (0,4 km)
4. Links abbiegen auf Unionstraße B139 (0,9 km)
5. Links abbiegen auf Landwiedstraße (0,2 km)
6. Links abbiegen auf Losensteinerstraße (0,2 km)
7. Pfarre St. Theresia

"High Spirit"

1959 – 1962 erbaute ist die Theresienkirche eines der letzten Werke des deutschen Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz. Über einem lang gestreckten elliptischen Grundriss errichtet, ist die Theresienkirche als Längskirche einerseits der Tradition verhaften, steht aber gleichzeitig mit ihrem Einraum im Geiste jener neuen liturgischen Forderungen die im nahezu zeitgleich stattfindenden zweiten vatikanischen Konzil postuliert wurden. Der besondere Reiz der Kirche liegt aber in der Kombination des eleganten, lichtdurchfluteten Raumkonzeptes mit einer fast rauen Bauweise (Betonpfeiler, Sichtziegel).
All jenen die sängerisches Talent mit sich bringen sei noch der Tipp gegeben einige Töne anzustimmen und den außergewöhnlich langen Nachhall von 14 Sekunden zu genießen.

02

Heiliges Kreuz, Langholzfeld

Kirchengasse 2, 4061 Pasching, A
PlanerIn: Ernst Hiesmayr

"New Stonehenge"

Zwischen laut schreiender Erlebnisarchitektur der Einkaufstempel und den undefinierten Einfamilienhausreihen des angrenzenden Wohnquartiers findet sich dieser Kirchenbau von bildhauerischer, archaischer Qualität. Massive Mauern, in die sich die Zugänge und Fenster wie Spalten eingraben, darüber ein ebenso massives Dach, dessen riesige Dachspeier den Regen einem Wasserfall gleich in die Erde ableiten.
Ebenso das Innere: fast wie eine Art Felsenlandschaft, scheint der zentrale Raum Kraft und Konzentration für die Suche nach dem Ursprünglichem zu geben.

© Dietmar Tollerian
03

Kirche St. Franziskus, Wels

St.-Franziskus-Strasse 1, 4600 Wels, A
PlanerIn: Luger & Maul (2003-2004) BauherrIn: Röm.-kath. Pfarre St. Franziskus

"Kraftwerk Gottes"

Die ganze Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten des Holzbaus findet sich bei dieser Kirche. Ursprünglich als Notkirche in Selbstbau für und durch eine sehr junge Kirchengemeinde errichtet, wurde der provisorische Teil nach der Etablierung dieser Gemeinde zu einem Sakralbau mit allen Schikanen erweitert: neben einem schlichten, geradlinigen Seelsorgezentrum ein in rot gehaltenem Sakralraum mit raffinierter, fast dramatischer Oberlichtführung, dazu ein Wasserbecken als bedeutungsträchtige Inszenierung. Ungewöhnlich auch die Tatsache, dass die gesamte Anlage nach Passiv-Haus-Kriterien errichtet wurde. (MV)

© Walter Ebenhofer
04

St. Josef, Wels-Pernau

Haidlweg 58, 4600 Wels, A
PlanerIn: Franz Riepl, Othmar Sackmauer

Wie aus einem Stück gegossen schafft diese 1967 entstandene Kirche inmitten von Einfamilienhäusern hinter Industrie- und Gewerbegebieten einen Ort des Zusammentreffens und strahlt in seiner dominanten Form Ruhe und Gelassenheit aus. Ziegel formen nicht nur die Wände, sondern auch Böden, Podeste, Sitzstufen und den Altar. Trotzdem ist der Bau von Monotonie weit entfernt. Vielmehr gewinnt er aus den verschiedensten Anwendungen der simplen Bausteine Haptik, Akustik und Atmosphäre.

© Dietmar Tollerian
05

Pfarrkirche Gallspach

4713 Gallspach, A
PlanerIn: Ernst Beneder, Anja Fischer (2005) BauherrIn: Katholisches Pfarramt Gallspach

"Zauberhafte Binnenwelt"

Was tun, wenn die bestehende Kirche nicht nur den funktionalen Anforderungen nicht mehr genügt, sondern oberhalb der Dorfstrasse auch noch etwas ab vom Schuss ist. Man stellt einen zweiten Bau dazu; soweit nichts Neues. Doch hier in Gallspach ist es eben mehr als nur ein Bau daneben. Eine elegante Holzellipse aus schmalen lamellenartigen Holzstützen schwingt sich den Kirchenhügel hinauf und vereint in dieser Bewegung einen neuen Kirchenraum, den sich schneckenförmig in die Höhe windenden Kreuzweg und umfasst schlussendlich noch die alte Kirche wie in einer Umarmung.
Besonders erwähnenswert sind die Figuren des Kreuzweges, die sich aus der jeweils gewählten Stelle des Gebäudes entwickeln; im wahrsten Sinne des Wortes Kunst am Bau.

© Margherita Spiluttini
06

Hlst. Herz Jesu, Lenzing

Pfarrplatz 1, 4860 Lenzing, A
PlanerIn: Hans Aigner

"erleuchtet"

Als deutlicher Widerpart zur der den Ort prägenden Industrie gedacht präsentiert sich diese Kirchenarchitektur als markanter Baukörper dessen Eigenständigkeit durch den freistehenden, skulpturhaften Turm noch betont wird. Obwohl äußerlich und in der Materialität eher der Industriearchitektur angelehnt, orientiert sich die innere Struktur einem traditionellen Verständnis von Liturgie. Der gesamte Raum konzentriert sich auf den erhellten Altarraum, dessen große Fensterfläche den Mitfeiernden allerdings nicht sichtbar bleibt.

© Dietmar Tollerian
07

St. Franziskus, Steyr Resthof

Siemensstraße 15, 4400 Steyr, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (1995-2001) BauherrIn: Röm.Kath. Pfarrexpositur St. Franziskus

Inmitten einer jener bauwirtschaftlich orientierten Stadterweiterungsgebiete aus den 70er Jahren gelegen, kompensiert der Bau gewissermaßen das kommunale Versagen. In einem richtungslosen Umfeld schafft er einen merkbaren öffentlichen Platz, in einer Umgebung von Monotonie eine Abfolge von Räumen, die durch die Variation der Aus- und Einblicke dem Alltäglichen etwas Besonderes geben, in der Anonymität der Wohnblöcke einen Raum der Offenheit und Kontaktfreude.
Konsequent auf große bedeutungsgeladene Gesten verzichtend, wurde sogar der Glockenturm durch eine Lichtinstallation "ersetzt".

© Dietmar Tollerian
08

Hl. Josef, Ennsleiten, Steyr

Arbeiterstrasse 15, 4400 Steyr, A
PlanerIn: Arbeitsgruppe 4, Johann Georg Gsteu (1958-1961) BauherrIn: Diözese Linz

"tragende Funktion"

Beispiel für die Tendenz der "Entmystifizierung" von Kultbauten ist diese Kirche aus einem einheitlichen, tragenden Element – der dominant sichtbaren X-Stütze – entwickelt. In der Stapelung dieses vorgefertigten Grundelements und der Kombination mit Deckenelementen entsteht nicht nur das Raumprogramm des Seelsorgezentrums, sondern auch der Glockenturm.
Mit der strengen Trennung von massiver Tragkonstruktion und leichter Hülle ist der Bau auch prototypisch für die durch Konrad Wachsmann beeinflusste konstruktivistische Richtung der späten 50er Jahre.

© Dietmar Tollerian
09

Seelsorgezentrum Solarcity

Pegasusweg 1-3, 4030 Linz, A
PlanerIn: pointner | pointner architekten (2004-2006) BauherrIn: Diözese Linz

"in sich gehen"

Mit dem Bau des auf dem Reißbrett entstandenen Wohngebiets Solarcity hat die Stadt Linz eines der größten, ehrgeizigsten und umstrittensten Stadterweiterungsprojekte der Nachkriegszeit umgesetzt. Auf Basis eines Masterplans von Roland Rainer, und unter Planungsbeteiligung einer Reihe von Stararchitekten (Norman Foster, Richard Rogers, Renzo Piano, u.a) wird hier seit 2003 unter dem Label "Umweltmusterstadt" rund 4000 Menschen Wohn- und Lebensraum geboten. Neben rund 1300 Wohnungen sollen eine umfassende Infrastruktur bestehend aus zentralem Ortsplatz, Schulen, Kindergarten, Freiraumgestaltung und Seelsorgezentrum für die Alltagstauglichkeit und Akzeptanz dieser Trabantenstadt sorgen.
Inmitten dieser vielgestaltigen Umgebung nimmt neben dem teilüberdachten Ortsplatz das Seelsorgezentrum eine wichtige identitätsstiftende Aufgabe ein und wagt den Spagat zwischen kommunikativem Treffpunkt und Ort der Ruhe und Spiritualität. Der Erfolg dieses Ansatzes liegt in der Abfolge thematisch unterschiedlicher Höfe und Räume, deren Aufeinanderfolge den Wechsel vom öffentlichen Leben zur inneren Einkehr nachzeichnet.

© Bruno Klomfar
10

St. Andreas, Puchenau

Kirchengasse 9, 4048 Puchenau, A
PlanerIn: Roland Rainer

"ins Zentrum gerückt"

Seit 1965 kontinuierlich erweitert ist die Gartenstadt Puchenau die einzige größere Wohnanlage, die nach Roland Rainers Vorstellung vom sozialen und ökonomisch optimierten verdichteten Flachbau verwirklicht wurde. Ein großes Maß an Privatheit trotz Kleingliedrigkeit der Bebauung (Mindestparzellengröße), uneinsehbare private Außenräume, sparsame Erschließung durch Fußwege, passive und aktive Solarenergienutzung machen das Konzept der Gartenstadt nach wie vor aktuell und bei den Bewohnern beliebt.
Stark auf die Privatheit der Bewohner ausgerichtet sind die öffentlichen Räume der Siedlung allerdings auf ein Minimum, bzw. auf Einrichtungen wie Kirche, Kindergarten, Schule und wenige Geschäfte reduziert. Doch nicht nur deshalb nimmt das Seelsorgezentrum St. Andreas einen zentralen Stellenwert ein.
Als Kombination von mehreren Zentralräumen ist (vor allem im Hauptkirchenraum) die Gemeinschaft, das gemeinsame Feiern, ins Zentrum gerückt. Funktionalität und Sinnlichkeit, strenge geometrische Raumzuschnitte und eine fast dramatische Lichtführung auf den Altar, Wände aus handgeschlagenen Ziegeln und ein Tragwerk aus Stahlträgern vereinen sich zu einem Ort der Konzentration.

© Dietmar Tollerian
11

Kapelle der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz

Salesianumweg 3, 4020 Linz, A
PlanerIn: Franz Riepl, Othmar Sackmauer

Inmitten dieses vielschichtigen und expressiven Baus an den Hängen des Freinberges findet sich, von außen nicht wahrnehmbar, ein "Juwel" sakralen Bauens: ein quadratischer Raum mit umlaufendem Gang, in einem dunklen Braunrot gehalten; das Zentrum in Form eins Pyramidenstumpfs überhöht, an dessen mit Fresken bemalten Wänden das Licht in den Raum fließt. Einer jener seltenen Orte voller Inspiration und Geborgenheit.

© Fritz Miny