ArchitekTOUREN

Entlang der Summerauer Bahn

Reisenden nach Böhmen erschließt sich die hügelige Landschaft noch unvermittelt aus den Fenstern der Sumerauerbahn, die sich hier kurvernreich durch Täler und Schluchten, über Hochebenen und dichte Wälder bewegt. Die einzigartige Typologie dieser Landschaft, in deren Kleinräumigkeit vorwiegend landwirtschaftliche Gebäude, steinerne Bauernhäuser mit hölzernen Schuppen eingebaut sind, jeweils an ganz bewussten Orten sitzen, die ein bestes Maß an Um- und Aussicht gewährleisten. Sie erfährt eine rasche Veränderung durch Begradigungen von Straßen, Widmungen für Bebauungen. Auch für die Region Mühlviertel gilt: für eine wirtschaftliche Erstarkung der Region zu sorgen und moderne Dienstleistung in die rasch erreichbaren Erholungsräume um und zwischen die Ballungszentren zu bringen.

Auswahl, Text: Christa Lepschi

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17 Bauwerke gefunden:
01

Volksschule Engerwitzdorf

Johann Wöckingerstraße, 4209 Engerwitzdorf, A
PlanerIn: Anton Heckmann, Josef Dürrhammer (1999-2003)

Engerwitzdorf setzt sich aus vielerlei Ansiedlungen zusammen und zieht sich entlang der Autobahn ins Mühlviertel hinein. Am Rande eines dieser Weiler wurde die neue Volksschule nach einem gewonnenen Wettbewerb zusammen mit einem Einkaufsmarkt in den Hang gesetzt. Die kammartige Struktur des Gebäudes öffnet die Klassenräume in intime Höfe. Die mit entsprechender Bepflanzung und Terrassenanlagen beschatteten Aufenthaltsbereiche werden vom jeweiligen davorliegenden Klassentrakt vom Straßenlärm geschützt. Diese Organisation gewährleistet eine optimale Orientierung und Belichtung der Erschließung und sämtlicher Nebenräume. Pausenflächen, Garderoben und Klassenräume bilden zusammenhängende, authentische Lebensbereiche. Der Eingangsbereich führt einerseits ebenerdig in einen Aufenthaltsbereich und gleichzeitig über eine Treppe zu den Klassen hinauf. Ein gemeinsamer Spielbereich im Freien wird durch eine außergewöhnliche Gestaltung mit Mulden im Hang eine zusätzliche Bereicherung für die jungen NutzerInnen.

© Anton Heckmann
02

Gemeindeamt Engerwitzdorf

Leopold Schöffl Platz 1, 4209 Engerwitzdorf, A
PlanerIn: ARKADE

In Schweinbach gelegen, ein Ortsteil, dessen Häuser sich entlang der Straße auffädeln, markiert dieses Gebäude zusammen mit dem noch jüngeren Mehrzwecksaal ein neues Zentrum für die Umgebung. Durch die Winkelform erzeugt es einen Platz, der vom zweiten Gebäude, dem Kulturzentrum, geschlossen wird und sich von der Straße her eröffnet. Die Eingangshalle, die das Obergeschoss mit einer einläufigen Treppe erschließt wird durch die Zweigeschossigkeit hell, transparent und freundlich. Man findet sich sofort zurecht und nimmt gern den professionellen Service in Anspruch. Der Sitzungssaal nimmt durch seine Ecklage im Obergeschoss und seine großzügigen Fensterflächen die Weite der Mühlviertler Landschaft auf.

© Klaus Costadoi
03

Kulturzentrum Engerwitzdorf

Leopold Schöffl Platz 2, 4209 Engerwitzdorf, A
PlanerIn: Gärtner+Neururer

Was sich in graue Blechschuppen hüllt, birgt meistens eine Überraschung. Zusätzlich neugierig macht die Formensprache der Gliederung, Vorsprünge und Einschnitte. Eine lichtdurchflutete Mittelzone ist Foyer und Teilende zugleich. Ein stattlicher Saal, eine Musikproberaum und ein Jugendzentrum sind hier vereint. Während jeder Funktion ein intimer Außenraum in Form einer Terrasse oder Loggia zugeordnet ist, wendet sich der Saal dem großzügigen Format des Vorplatzes zu. Seine hermetische Farbgebung, ein erhabenes Rot, erzeugen mit der Galerie und der raffinierten Lichtführung eine ungewöhnliche Tiefe. So wie sich der Raum darin verliert, streift man Alltag ab und taucht in den Purpur feierlichen Geschehens ein.

© Simon Bauer
04

RISC - Schloss Hagenberg

Schloss Hagenberg, 4232 Hagenberg im Mühlkreis, A
PlanerIn: Riepl & Moser (1986-1989) BauherrIn: Gemeinde Hagenberg

Eine dem endgültigen Verfall preisgegebene Ruine wurde zur Verwirklichung seines Traums von der Gralsburg der algebraischen Mathematik in den Mühlviertler Bergen. Der Gründer, Professor Buchberger, bestärkte die Gemeinde Hagenberg, diesen Steinhaufen inmitten eines Parks mit alten und exotischen Bäumen zu einem universitären Forschungsinstitut auszubauen. Die Architekten Riepl- Moser machten sich ans Werk und schälten einen Raum nach dem andern aus den Trümmern, schufen Verbindungselemente und Durchbrüche und ließen in jeden Bereich ihm eigene Qualitäten einfließen. Trotz des hohen Anspruchs an EDV-freundliche Leitungsführung unterwarfen sie die Qualitäten nie Sachzwängen. Während die Lehr- und Seminarräumen in den unteren Geschossen Platz fanden, wurde das Dachgeschoß Raum für Raum zu individuellen Arbeitsräumen mit wohnlich-behaglicher Atmosphäre ausgebaut. Bei jedem Blick aus dem Fenster erholt sich das Auge am erfrischenden Grün der Parklandschaft und der atemberaubenden Weite der Mühlviertler Landschaft, deren Horizont von der Kette der Kalkalpen begrenzt wird.
Als zweiter Akt wurde der Trakt, der an die Kirche andockt, in Angriff genommen und zu einem erlebnisreichen Gemeindeamt umgewandelt, das sich über eine neu geschaffene Arkade einem gemeinsamen Platz mit dem Risc zuwendet. Während der erste Bau über eine Brücke analog der alten Zugbrücke erschlossen wird, zelebriert der Stiegenaufgang in die Arkade die standesamtliche Handlung vor der oft fast kitschigen Aussicht. Nicht nur baulich sondern auch wirtschaftlich und forschungsrelevant wurde Schloss Hagenberg zum Startschuss für die Entwicklung sowohl der Universität Linz als auch der Region Hagenberg.

© Josef Pausch
05

Fachhochschule Hagenberg

Hauptstrasse 117, 4232 Hagenberg im Mühlkreis, A
PlanerIn: Berger Parkkinen (2002-2004) BauherrIn: FH OÖ Immobilien GMBH

Mit ungewöhnlicher Mächtigkeit zieht die Meierwiese vom Park des Schlosses Hagenberg bergan. Ihren Lauf durch die Verbauung des Softwareparks nicht zu stören, hat zu vielerlei Versuchen geführt, die Gebäude abzuständern oder sonst wie anzuordnen. Stand zuvor nur der Meierhof mitten drauf, ist er nun umgeben von urbanster Dichte von Schulungs- Forschungs- und Wohngebäuden. Einer dieser Versuche ist die FH, die mit einer langen Rampe in den Hof führt, dessen Traktführung dem Konzept des Meierhofes nachempfunden scheint, gleichzeitig aber auf dem Rücken eines gewaltigen Untergeschosses thront, aus dem die Hörsäle herausragen und sich in die Landschaft öffnen. Während die Unterrichtsräume sich in den schlichten Hoftrakten aufhalten, bekommen Gemeinschaftsfunktionen wie die Mensa spielerische Gestalt.

© Gerald Zugmann
06

Bruckmühle Pregarten

Bahnhofstraße 12, 4230 Pregarten, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (1992-1999) BauherrIn: VKB Leasing Projekterrichtungs GmbH

Auf der Suche nach einem geeigneten Kulturzentrum schrieb die Gemeinde Pregarten einen Wettbewerb aus, der von den Architekten Riepl Riepl in die Tat umgesetzt wurde. Am Eingang zum Markt im wildromantischen Tal der Aist liegt das Mühlengebäude, das vollkommen erhalten und in den Komplex der neuen Musikschule einbezogen wurde. Der Zugang führt durch das Gebäude auf einen Vorplatz und schützt ihn damit vor Verkehr und Autolärm. Der Eingang wird von einem raumhoch verglasten Verbindungstrakt gebildet, der die romantische Szenerie des Flusstales mit hoch darüberführender Eisenbahnbrücke eindrucksvoll in den Weg durchs Gebäude einbezieht. Mittelpunkt der Anlage ist der "Findling", eine Metapher, aus der Flusslandschaft mit seinen gleichnamigen Granitsteinen geboren. Er beinhält einen Aufführungsort mit Bühne und Sitzrängen, er ist zur Gänze in einheitliches Rot getaucht und wurde mit Blechschuppen eingedeckt. In reizvoller Art und Weise wurden auch die Qualitäten sowohl des alten wie auch des neuen Gebäudes herausgearbeitet. So wurden beispielsweise die einzigartigen, fassadenbündigen Metallfensterrahmen des Mühlengebäudes behutsam renoviert und nicht dem Energiesparzwang geopfert.

© Josef Pausch
07

Marktplatz Neumarkt

Marktplatz, 4212 Neumarkt im Mühlkreis, A
PlanerIn: Schneider & Lengauer (2003-2009) BauherrIn: Marktgemeinde Neumarkt

Stetig, in immer rascheren Schritten, verändert sich die Silhouette von Neumarkt im Mühlkreis. Äußerlich wandelt sich das Weichbild ähnlich anderen Randgemeinden des Speckgürtels von Linz durch das Ansiedeln von Neubauten, vorwiegend Wohnbauten. Zunehmend tauchen auch Gewerbebauten an der Achse Linz- Freistadt- Prag auf. Das Ziel, eine moderne Dienstleistungsgemeinde zu werden, wird immer sichtbarer. Das Duo der Schneider- Lengauer- Architekten greift behutsam, aber unnachgiebig ein, setzt Interventionen, die nicht immer unkontroversiell verlaufen, aber zunehmend den Erfolg der Angenommenheit verbuchen.

Wohl wesentlich für eine gelungene Ortsplatzgestaltung ist das Befreien von Sachzwängen, Einbauten und vor allem willkürlicher Ornamentik. Hier wird der Platz auf das erforderliche Gefälle zurückgeführt, minimal strukturiert durch eine Graphik von feinen Linien und Stufen, haptisch aufbereitet durch seine durchgängige Betonoberfläche, gekrönt durch einen geradlinigen Steinkubus mit Wasser. In neuem Kleid präsentieren sich die den Ortsplatz begrenzenden Häuser, angeführt vom Haus Palzer, das die Umschichtung der Platzvolumina aufnimmt und in mühlviertlerischer Gelassenheit eine aufgeräumte, frische Atmosphäre verbreitet.

© Kurt Hörbst
08

Raiffeisenbank und neuer Raiffeisenplatz Neumarkt

Raiffeisenstraße 2, 4212 Neumarkt im Mühlkreis, A
PlanerIn: Schneider & Lengauer (2009)

Ein beinahe ebenso wichtiger Eingriff in die Umgestaltung Neumarkts ist die neue Raiffeisenbank. Sie lädt mit ihrem großzügig verglasten und mit noblem Alu eingerahmten Eingangsbereich zum Besuch ein, indem der Baukörper einen Schritt entgegenkommend zum Parken und Aufenthalt auffordert. Transparent, freundlich, serviceorientiert, das verspricht die neu geschaffene Stimmung bis hinein in die dienenden Räume und bis zu den kleinsten Details des Baus, seiner Möblierung und seines Lichts. Der Vorplatz, ein aus- und aufgeräumter Freiraum leitet elegant auf den neuen Marktplatz über.

© Kurt Hörbst
09

Zahnzentrum Neumarkt

Salzstraße 18, 4212 Neumarkt im Mühlkreis, A
PlanerIn: Schneider & Lengauer (2003-2004) BauherrIn: Raiffeisenbank Neumarkt i. M.

Gegenüber der Bank winkt ein Dachaufbau, der ein Stück vor die Fassade des alten Markthauses tritt, auf dem er sitzt und das Zahnzentrum M&S beinhält. Selbstbewusst verspricht er modernste Technologie auch im ländlichen Raum. Er lässt das alte Gebäude in Ruhe und macht sich interessant mit seiner transluzenten Haut, die ihn umhüllt. Das schlichte helle Innenleben und eine raumhohe Verglasung mit Loggia erlaubt MitarbeiterInnen und BesucherInnen nicht nur so nebenbei die berauschende Aussicht, sondern auch die sich ständig ändernde Wetterlage zu genießen.

© Dietmar Tollerian
10

Kindergarten Neumarkt

Schulstraße 16, 4212 Neumarkt im Mühlkreis, A
PlanerIn: Schneider & Lengauer (2006) BauherrIn: Marktgemeinde Neumarkt

Etwas abseits vom zentralen Geschehen, aber mitten in den Herzen der jungen BewohnerInnen Neumarkts, hockt der grüne Frosch auf einer steilen Geländekante; ein preisgünstiger aber dennoch mit einem Maximum an Qualität ausgestalteter Kindergarten, quasi bereit zum Absprung ins volle Leben. Strahlende Sonne und wunderbare Aussicht in die Mühlviertler Hügellandschaft prägen früh den Alltag der
Kinder, während es in der kuscheligen Holzatmosphäre der Räume mal nach Advent, mal nach Regentag, mal nach blühenden Obstbäumen duftet.

© Kurt Hörbst
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Sportanlage Neumarkt

Sportplatzstraße 12, 4212 Neumarkt im Mühlkreis, A
PlanerIn: Schneider & Lengauer

Ein Zeichen solidarischer Entwicklung zur modernen Dienstleistungs- und Erholungsgemeinde ist wohl die neue Sportanlage Neumarkts. Die städtebauliche Situierung und Einbettung in die Landschaft sowie grundrissliche und materialrelevante Angaben kamen von den Schneider- Lengauer- Architekten. Errichtet jedoch wurde die in Holzbauweise konstruierte Anlage mitsamt ihren Verkehrs- und Sportflächen, überdachten Tribünen und Indoorbereichen von der Errichtungsgemeinschaft ASKÖ und Union, eine bemerkenswerte Koproduktion von wachem Sportsgeist und talentierter Planung.

© Kurt Hörbst
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Aufbahrungshalle Gutau

St. Oswalderstraße 2, 4293 Gutau, A
PlanerIn: Schneider & Lengauer (2008-2009) BauherrIn: Marktgemeinde Gutau

Der strahlend weiße Kubus bestimmt den Zugang zum Friedhof und markiert damit eine Geländekante, die als granitene Natursteinmauer den Friedhof vom Dorf abgrenzt. Die großen metallenen Torflügel reflektieren die Entschlossenheit, das Diesseits hier zu beenden. Der schlichte Innenraum, die Schleuse zum Jenseits, gleicht einem Schrein und bietet als Resonanz feines Tannenholz in Form einer Bank und einer Wandverkleidung, die sich bis zur hölzernen Decke emporstreckt. Das letzte Geleit stellt ein schmaler Lichtschlitz in der Decke, eine Interpunktion der Zuversicht.

© Kurt Hörbst
13

Rinderkompetenzzentrum

Galgenau 43, 4240 Freistadt, A
PlanerIn: TWO IN A BOX (2007-2009) BauherrIn: RZO Rinderzuchtverband und Erzeugergemeinschaft OÖ

Sachte in den Hang geschichtet mit 3 Ställen, einer Versteigerungshalle und den Verwaltungs-und Nebenräumen, entwickelt sich das Volumen des Rinderkompetenzzentrums auf einer Anhöhe vor den Toren Freistadts. Über einen geladenen Wettbewerb wurde dieses Projekt ausgewählt und von twoinabox umgesetzt. Während unten die hochkomplexen Funktionen und Wegführungen samt Vorbereichen miteinander organisiert sind, treten die Besucher von oben über einen geräumigen Parkplatz in eine helle, offene, von Holz und Glas dominierte Atmosphäre ein. Die lichtdurchflutete, übersichtliche Versteigerungshalle lässt mit ihrer unzimperlichen, geradlinigen und eleganten Materialität keinen Zweifel an gegenseitiger Wertschätzung. Dem dominierenden Stoff Holz ist genau das abgerungen, was es im modernen Betriebsbau zu leisten vermag. Es verweist alle anderen Elemente in ihre Stellung, wo sie schlicht und nutzvoll erscheinen; nichts wird zum Selbstzweck. So wie die im Norden gelegene Eingangsfassade die Ankommenden freundlich aufnimmt, schützt ein großflächig bedruckter Screen die Südfassade vor Sonne und Einblick, setzt jedoch ein unmissverständliches Statement vor den Inhalt.

© Dietmar Tollerian
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Kulturzentrum Salzhof

Salzgasse 15, 4240 Freistadt, A
PlanerIn: Architekturwerkstatt Freistadt

Ist Freistadt an der Grenze zu Tschechien ein vielerorts bekannter Begriff so leidet diese noch unversehrte alte Stadt mit ihren Türmen, Mauern, Gräben, engen Gässchen, anmutigen Arkadenhöfen und ihrem ursprünglichen Hauptplatz unter Verödung. Dieser entgegen zu wirken wurde der mittelalterliche Komplex des Salzhofes behutsam in ein Kulturzentrum verwandelt. Eingefügt in die alte Häuserzeile, erschließt er sich durch ein unscheinbares Tor, durch das man ohne Umschweife in den Hauptraum, den glasgedeckten Innenhof gereicht. Dort finden Veranstaltungen der mannigfaltigsten Art statt. Die angrenzenden Bereiche dienen als Kulturwerkstätten, das Obergeschoß wird von einer Musikschule genutzt, deren Herz, ein kleiner Konzertsaal, unterm alten Dachgebälk pocht. Nach außen signalisiert lediglich ein noch erhaltener Turm an der Stadtmauern durch einen asymmetrischen Glaseinschnitt modernes, pulsierendes Innenleben.

© Dietmar Tollerian

Wartehäuschen am Frauenteich

4240 Freistadt, A
PlanerIn: ANY:TIME Architekten, Christian Hackl (2008) BauherrIn: Stadtgemeinde Freistadt

Selber Venus ist die Muschel, die sich aus diesem Gestade erhebt. Elementares Material in kybernetische Form gegossen, erstarrt im Augenblick der Geste, die den erwarteten Schutz gebietet. Aus einem Sockel, der im Wasser ruht , herausgearbeitet, verjüngt sich die Betonform über eine schiefe Ebene von der Funktion der Wand in die des Daches, gleich einer Hand, die in ihre Fingerspitzen ausläuft. In die sich öffnende Wand zum Teich ist eine Glasscheibe eingespannt, eine Bank läuft mit dem Blick hinaus, der schwebend einer Libelle gleich über die Wasseroberfläche gleitet. Hier wird Warten zur Metapher und vor allem zur Hoffnung dafür, dass der historische Reichtum dieser Stadt zeitgenössische Anknüpfung und Weiterführung findet.

© Dietmar Tollerian
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Öffentliche Toilette im Rathaus Freistadt

Hauptplatz 1, 4240 Freistadt, A
PlanerIn: Christian Hackl (1999)

Möge die Übung gelingen! Wer, wenn nicht die Freistädter sind so oft gefordert, ihre Werke in Auseinandersetzung mit dem Bundesdenkmalamt durchzuführen und dabei dem Vorhandenen zwar Neues aber dennoch Selbstverständliches zu entlocken. So geschehen unterm mächtigen Gewölbe der ehemaligen Badeanstalt. Lediglich eine neue Proportion teilt den Raum. Stahl, Glas und Licht veredeln die Portale, die die Besucher willkommen heißen und ohne Umschweife sie ihrer entsprechenden Verrichtung zuführen. Mit Respekt treten sie den Formaten entgegen und gestehen ihrem Gegenüber selbst bei großem Andrang die Unversehrbarkeit des Stärkeren zu.

© Dietmar Tollerian
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Bürgerzentrum Freistadt

Hauptplatz 12, 4240 Freistadt, A
PlanerIn: Christian Hackl

Im neuen Kleid präsentiert sich das Stadtamt von Freistadt. Es wird von einem der mittelalterlichen Häuser am Hauptplatz beherbergt und ist auch damit der hier alltäglichen Auseinandersetzung mit dem Denkmalamt unterworfen. Schon im Eingangsbereich wird durch hinterleuchtete Folien jugendliche Frische und Transparenz und vor allem Bürgernähe signalisiert. Die alte Substanz bildet in schlichtem Weiß einen kühlen, sachlichen Rahmen und erzeugt einen Raumklang, der durch das moderne, klare Design des Interieurs unterstützt wird, durch den Einsatz kecker Farbtupfer in Stimmung umschlägt und die Sinne wohlgefällig über Einbauten und Dekos streichen lässt. Solchermaßen aufgerichtet hinterlässt der Besuch die Zuversicht, dass auch in Freistadts alten Gemäuern zunehmend junges Leben pulsiert.

© Christian Haubner