ArchitekTOUREN

Entlang der Mühlkreisbahn

In der Donauebene zwischen Linz und Rottenegg verkehrt sie noch im Takt, aber dann geht’s übern Saurüssel nach Gerling und ins Tal der Großen Mühl bis nach Aigen Schlägl hinauf, da wird die Frequenz schon eher seltener. War ihre Aufgabe einst, Holz, Ziegel, Hopfen, Mehl und Tuch zu transportieren, hat ihr der Schichtbus im Personenverkehr den Rang abgelaufen. Romantisch aber ist sie allemal. Ihre Bahnhöfe sind hervorragende Ausgangspunkte für Wanderungen, sei`s ins pittoreske Pesenbachtal, oder übern Wildpark in Altenfelden ins Mühltal, zur mächtigen Ruine Pürnstein und zum Kirchlein St. Anna in Steinbruch oder hinauf in den Böhmerwald zum Dreisesselberg und zum Steinernen Meer. Ihre Stationen liegen in der Nähe von hübschen, barocken Marktflecken wie Ottensheim, Neufelden oder Haslach; sie künden von einer vergangenen Prosperität.

Auswahl, Text: Christa Lepschi

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6 Bauwerke gefunden:
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Marktplatz Ottensheim

Marktplatz 7, 4100 Ottensheim, A
PlanerIn: Boris Podrecca (2000-2002) BauherrIn: Marktgemeinde Ottensheim

Ottensheim, eine lebhafte, junge Gemeinde, auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar beim Abzweigen von der A5, die ins obere Mühlviertel führt. Erst wenn man auf dem barocken Marktplatz landet, beginnt die Neugier. Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Begibt man sich hinunter zum Donauufer, gibt es eine selten gewordene aber viel benützte Überfuhr. Entlang der Donau erstrecken sich Esplanade, Uferbebauung, ein Strand wie in der Karibik samt Flußmündung und eine Ruderregattastrecke. Am schönsten ist der Blick vom andern Ufer. Da drängen sich die Markthäuser zum Fluß hinunter am Fuß eines Hügels, auf dem weiß und prachtvoll das Ottensheimer Schloß thront. Dahinter erstreckt sich erholsames Gelände bis ans Ufer der Rodl, die hier durch die Ebene mäandert und nochmals einlädt zum Baden und Campen, bevor es weitergeht zu den Badeseen bei Feldkirchen und nach Aschach.

Wie alle Straßendörfer, so hatte auch Ottensheim das Problem mit der Entflechtung des Verkehrs. Obwohl schon lange nicht mehr durchgefahren wird, so spielt sich doch das meiste im Zentrum ab und auf dem Weg zur Überfuhr. Zur Kirche hin gestaltet sich der Platz eben und weitete sich auf, macht Platz für Schanigärten, lässt nebenbei noch einige Parkplätze zu. Zur Donau hin jedoch fällt er steil ab, verengt sich und lässt nur einen schmalen Blick aufs rasch vorüberziehende Wasser zu. Diese Kante wurde genutzt, um eine Tiefgarageneinfahrt anzulegen. Die aus der Böschung ragende Wand inszeniert sich als Wasserfall. Das Dach bietet einem Gastbetrieb eine großzügige Terrasse. Gehsteige und Zuordnungen zu den verschiedenen Verkehrsarten wurden entfernt, lediglich mit verschiedenen Materialien gepflasterte Flächen bilden eine diskrete Orientierung. Damit erhält der langgezogene Marktplatz Einheitlichkeit, die barocke Häusereinfassung wirkt homogen und kommt zu entsprechender Wirkung.

© Dietmar Tollerian
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Gemeindeamt Ottensheim

Marktplatz 6, 4100 Ottensheim, A
PlanerIn: SUE Architekten (2006-2010) BauherrIn: Verein zur Förderung der Infrastruktur der Marktgemeinde Ottensheim

Jüngstes Highlight in der Kette der Ottensheimer Ereignisse nimmt das sanierte und erweiterte Gemeindeamt den Eckbereich zwischen Marktplatz und Linzer Straße ein. Vitrinengleich öffnen sich die Räume zur Straße und laden gleich zum Hineinschauen ein. Im Wettbewerb wäre der Gemeinderatssaal sogar als Pavillon auf dem Marktplatz gedacht gewesen, Ausdruck der jungen, unkonventionellen Garde, die sich der politischen Geschäfte angenommen hat. Nun ist er im Neubau angelegt, der entlang der Linzerstraße andockt. Er lässt sich mit großen Schiebeelementen zu einem völlig bis zum Hof hin reichenden Raum öffnen, aber auch unterteilen und kann mit einem eigenen Eingangsbereich extern genutzt werden. Darüber werkt das Bauamt, ein lichter, differenzierter Großraum mit vorgelagerter Holzterrasse. Im Altbestand, der aus dem 16. Jahrhundert stammend, geprägt ist von dicken Mauern, niedrigen Türöffnungen und Gewölben wurde unter intensiver Betreuung des Bundesdenkmalamtes Raum für Raum mit all seinen Bestandteilen behutsam zu einem modernen, funktionierenden Amtsgebäude umgewandelt. Die alten Dieleböden wurden wiederverwendet, Rampen und Stiegen integriert, neue Materialien, wie nackter Beton, flacher Stahl und natürlich Glas als dezente graphische Kontrapunkte installiert. Der anheimelnden Atmosphäre wurde ein Repertoire an Kunstwerken von heimischen Künstlern und Künstlerinnen beigefügt. Sie vollenden den Eindruck, dass hier unter Zusammenwirken aller ein Wohnzimmer der besonderen Art entstanden ist.

© Herta Hurnaus
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Gartenstadt Puchenau

Gartenstadt I, 4048 Puchenau, A
PlanerIn: Roland Rainer (1963-1995) BauherrIn: Neue Heimat Oberösterreich

"Eine Gartenstadt ist keine Stadt aus Gärten, sondern eine Stadt, die leben soll wie eine Pflanze – in Einklang mit der Natur und dem Klima" so beschreibt Roland Rainer seine Idee einer neuen, verkehrsfreien Stadt, wenige Kilometer von Linz entfernt, zwischen Donau und der ins obere Mühlviertel führenden, intensiv von PendlerInnen benutzten Bundesstraße und der sie begleitenden Mühlkreisbahn gelegen. Gegen ihre Emissionen schützt der höchste der Wohnblöcke, von dem weg die Gebäude, einen nach Süden fallenden Hang simulierend, immer niedriger werden. Dermaßen abgeschirmt öffnet sie sich der Sonne und dem Naturraum, der sie durchdringt und durchwächst und damit eine zweite, gewachsene Struktur bildet , die die gebaute überlagert und ihr Labyrinth von intimen Höfen und Gängen verdichtet, beschattet und in einen idyllischen Erholungsraum verwandelt. Das und die unkomplizierte Zugverbindung in die Stadt erklärt den Wunsch auch der neuen Generation, hier zu bleiben und diese "Pflanze" weiter zu hegen und zu pflegen.

© Christa Lepschi
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Mühltalhof Neufelden

Unterberg 6, 4120 Neufelden, A
PlanerIn: Klaus Leitner Architektur (2006-2008) BauherrIn: Hotel Mühltalhof Fa. Rachinger GmbH

Dem Gesang der Fische lauschen und die Seele baumeln lassen: Dies ist die Devise der Familie Rachinger –Eckl, die hier, wo die Große Mühl sich nach dem Kraftwerk Pürnstein wieder zu einem stattlichen Fluß gesammelt hat und die alte Landstraße sich in den hübschen, barocken Marktflecken Neufelden emporwindet, ein Domizil der besonderen Art geschaffen hat. Nicht nur der grüne Naturraum des Mühlviertels lädt hier zu Erholung ein, sondern auch Hotel und Gasthof bieten tiefste Entspannung und höchsten Genuss. Wurde die alte Gaststube auf der Straßenseite behutsam renoviert, setzt sich die Behaglichkeit auf der Flußseite in Form von klarer, zurückhaltender Raum- und Formgebung weiter und lässt durch großzügige Verglasung die Landschaft walten. Die Fassade nimmt die elementare Farbe des Flusses auf, während sich die Sinne abwechselnd am Spiel des Lichtes und der Farben, die vom Künstler Thomas Paster raffiniert eingesetzt wurden, ergötzen. Was Architektur und Kunst noch nicht geschafft haben, dem setzt die Küche mit ihren Köstlichkeiten die Krone auf. Wohl dem, der hier die Muße findet.

© Josef Pausch
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Bezirkshauptmannschaft Rohrbach

Bahnhofstraße 7-9, 4150 Rohrbach in Oberösterreich, A
PlanerIn: Reinhard Bauer (2009) BauherrIn: Landes-Immobilien GmbH

Aus einem der ersten in Oberösterreich EU-weit abgehaltenen Wettbewerbe ist dieses Siegerprojekt von Reinhard Bauer hervorgegangen. Noch ist der Landschaftsraum nicht geschlossen auf der Seite, wo das Städtchen Rohrbach eine Achse als Verbindung zu seinem Zentrum vorhat. Als Sichtbezug bereits vorhanden, muss der Weg wohl noch geschlagen werden. Davon ungerührt ruht das Bauwerk am Hang und steckt mit seinem kreuzförmigen Grundkonzept, das nach allen 4 Seiten auskragen lässt, mit beherrschender Geste sein Revier ab, ein Teich nimmt noch einmal sein Spiegelbild auf, dann wird das Feld wieder dem locker bebauten dörflichen Randgebiet freigegeben. Nicht nur die im hermetischen Material Aluminium gestaltete Fassade, sondern auch der Raumfluss bilden ein Spiel von kühl und sachlich orientierter Servicebereitschaft und gezieltem Einsatz von Ausblicken in Natur und Landschaft. Das Innere des Gebäudes entwickelt sich als Raumstruktur – das nüchtern homogene Materialkonzept folgt ihm ungebrochen. Licht- und Landschaftseinfälle geleiten den Besucher auf seinem Weg durch die Verwaltung. Ins rechte Licht gesetzt wird Kunst am Bau in Form einer, den großen Zentralraum bespielenden Installation, das Idiom als Lichtskulptur.

© Christa Lepschi
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Vonwiller-Areal und Textiles Zentrum Haslach

Stelzen 13-16, Haslach, A
PlanerIn: ARKADE (2000-2010)

Ungebrochen kündet das mächtige Bauwerk, das am steilen Hang des Mühlufers zum barocken Mühlviertler Markt Haslach emporragt, von den großen Zeiten der Textilindustrie, wo die Kraft der Flüsse genutzt wurde, den hier geernteten Lein in Tuchballen zu verweben und Mühlen sonder Zahl nicht ruhn und rasten ließ. Nicht nur um sie vorm Verfall zu schützen, sondern ihr Volumen neuen Taten zuzuführen, wurden die Gebäude so weit adaptiert, dass sie als Dienstleistungszentrum vielfacher Verwendung zugeführt werden konnten. So behaust sie ein Berufsbildungs- und Rehabilitationszentrum, einen Jugendklub, die örtliche Musikschule, ein Museum, Veranstaltungsräume und nicht zuletzt ein Restaurant. Dem Herstellen und Präsentieren von Textilien ist der untere Teil der Anlage in Form eines Technologiezentrums mit Manufaktur gewidmet. So findet hier alljährlich ein vielbesuchter Textilmarkt mit Ständen, Ausstellungen und Seminaren statt und bildet damit einen attraktiven Schauplatz in einer Region, die sich in Erkenntnis ihres Potentials zunehmend entwickelt.

© Heinz Hehenberger