afo-Filmreihe 08 – “No Law & Order“ Unordnung und Chaos
Frank Gehry: Die Suche nach einer regelfreien Architektur
FilmvorführungProgrammkino Moviemento, Dametzstraße 30. 4020 Linz
(Freitag, 31. Oktober / Local-Bühne Freistadt)
Zu Frank Gehry fällt einem der treffende Satz von Colin Rowe ein, der sinngemäß meinte: „Er ist ein Vorschlag zur schöpferischen Desillusionierung, gleichzeitig ein Aufruf zu Ordnung und Unordnung: Zum Einfachen und Komplexen, zum Nebeneinander von dauernden Bezugnahmen und zufälligem Geschehen, von Privatem und Öffentlichen, von Erneuerung und Tradition, von rückwärts gerichteter und prophetischer Geste.“
Sketches of Frank Gehry
Regie: Sydney Pollack. USA/Kanada. 2006. 83 min. Farbe. OmU. 35 mm.
Über einen längeren Zeitraum begleitete der erst kürzlich verstorbene Hollywood-Star-Regisseur Sydney Pollack seinen besten Freund, den amerikanisch-kanadischen Stararchitekten Frank Owen Gehry (eig. Frank Goldberg) mit einer handlichen DV-Kamera durch Kalifornien. So trifft man den gelassenen Maestro einmal in seinem Entwurfsstudio, einmal leger privat zu Hause und “off guard“ im freimütigen Interview. Der typische “subject-film“ beleuchtet den Menschen hinter seiner Entwurfsarbeit und seinen atemberaubenden Meisterwerken. Eine humorvolle und trotzdem genaue, scharfsinnige Betrachtung einer fremden Welt durch einen Außenseiter und Laien der Materie – so sieht Pollack sich in diesem Fall erklärtermaßen selbst. Pollack und Gehry, zwei eng mit einander befreundete, unangepaßte Künstlertypen, denen die eigenen Visionen, Inspirationen und Provokationen manchmal selbst ein Rätsel bleiben. Des Weiteren führte Pollack Gespräche mit Weggefährten, Berufskollegen, Bauherrn, Kritikern von Gehry und beobachtete seinen Protagonisten bei Arbeitssituationen im Atelier oder bei private Begegnungen mit einigen illustren Zeitgenossen, u. a. Philip Johnson, Charles Jencks, Dennis Hopper, Bob Geldof, Ed Ruscha und Julian Schnabel. Daneben verführt der Film mit virtuosen Sequenzen, die die irritierende Fremdheit, Surrealität und die sinnlich haptische sowie subtil ironische Qualität von Gehrys Arbeitsweise unmittelbar transportieren. Pollacks leichtfüssig gemachter, spontaner und offener Film ist ein sympathisches Gemeinschaftswerk, das nachhaltig bereichert.
Konzeption und Filmtext: Helmut Weihsmann
