Architekturfilmreihe 05
IN PERSON: MURRAY GRIGOREine kleine Werk- und Rundschau
DiskussionArchitekturfilmreihe 05
IN PERSON: MURRAY GRIGOR
Eine kleine Werk- und Rundschau
18. | 19. | 20. Oktober 2005
jeweils 19.00 Uhr
architekturforum oberösterreich
Prunerstraße 12, 4020 Linz
Dienstag, 18. Oktober 2005 | 19.00 Uhr
Eröffnungsfilm und Gespräch mit Murray Grigor (UK)
Carlo Scarpa
Regie: Murray Grigor. UK. 1996/97. 54 min. Farbe. OF. Beta SP.
Mittwoch, 19. Oktober 2005 | 19.00 Uhr
Nineveh on the Clyde – The Architecture of Alexander „Greek“ Thomson
Regie: Murray Grigor. UK. 1999. 55 min. Farbe. OF. Beta SP.
Sir John Soane – An English Architect, An American Legacy
Regie: Murray Grigor. USA. 2005. 62 min. Farbe. OF. DVD.
Donnerstag, 20. Oktober 2005 | 19.00 Uhr
The Architecture of Frank Lloyd Wright
Regie: Murray Grigor. UK. 1983. 74 min. Farbe. OF. Beta SP.
Charles Gwathmey – In The Search For Clarity
Regie: Murray Grigor. USA. 1999. 44 min. Farbe. OF. Beta SP.
Konzeption: Helmut Weihsmann, Wien
Wir danken dem Scottish Arts Council, VIZ Film,
Channel Four für ihre Unterstützung.
Sämtliche Filmdokumente sind österreichische Erstvorführungen in englischer Originalfassung!
Relevante Filmdokumente zur Baukunst sind selten im Kino zu sehen, weshalb diese alljährliche Architekturfilmreihe in Linz von Helmut Weihsmann (Wien) initiiert wurde. In der Regel beschränkt sich das bescheidene Verleih- und Marktangebot auf (Auto-)Biographien, Interviews und Portraits zumeist namhafter BaukünstlerInnen, mit der konventionellen Darstellung sowie der vergleichenden Beschreibung ihres Werkes im Kontext des jeweiligen Milieus oder des ästhetischen Umfelds, in dem deren Arbeiten entstanden sind. Entgegen der sonstigen Konzeption, themengebundene Fakten-, Dokumentar- und Reportagefilme zur zeitgenössischen und historischen Architektur zu zeigen, wird nun eine ausgewählte Werkschau von einem der wichtigsten Protagonisten der Sondergattung „Architekturfilm“ gezeigt. Denn Murray Grigor gehört seit über vierzig Jahren zu den wenigen Spezialisten und Kapazitäten in dieser stark marginalisierten Medienbranche. Das Werk des schottischen Designers, Produzenten, Cutters, Filmemachers und Autors Murray Grigors ist so reichhaltig und umfangreich, dass wir mit den drei abendfüllenden Vorstellungen nur eine Auswahl seines Oeuvres zeigen können.
Biographie
Murray Grigor (* 1939) arbeitet seit über vierzig Jahren sowohl als Film-Cutter, Film-Designer, Graphiker, als auch als unabhängiger Filmproduzent und Regisseur zwischen den USA und Schottland, wo er zur Zeit lebt. Im Auftrag diverser Firmen und international renommierter Fernsehanstalten wie BBC, PBS, Channel Four, Granada Television, etc., entstanden zahlreiche Features und Künstlerportraits, u.a. über Eduardo Paolozzi, Marina Abramovic und Ulay, von denen er manche mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Barbara Grigor gestaltete. Zu seinem umfangreichen und unterschiedlichen Filmschaffen gehören die Filmportraits über Frank Lloyd Wright, Charles Rennie Mackintosh, Carlo Scarpa, Charles Gwathmey, Enric Miralles, Alexander „The Greek“ Thomson, Sir John Sloane, et al. Murray Grigor war auch Ehrenvorsitzender beim Edinburgh Film Festival von 1991-94. Ebenso war er Jury-Mitglied im BFI-Production Board (London), National Endowment for the Arts (Washington D.C.) und am American Film Institute in Los Angeles. Ehrenmitglied der RIBA, der Royal Incorporation of Architects in Scottland. Mehrere Auszeichnungen für seine Filmarbeit durch die AIA.
Dienstag, 18. Oktober 2005 | 19.00 Uhr
Eröffnungsfilm und Gespräch mit Murray Grigor (UK)
Carlo Scarpa
Regie: Murray Grigor. UK. 1996/97. 54 min. Farbe. OF.
Die Genialität des Venezianers Carlo Scarpa (1906-78) liegt in seinem Material-,
Detail- und Formenreichtum, die er sich immer logisch von innen nach aussen zog. Alle seine wunderbaren Arbeiten, egal ob Innenraum- oder Aussenraum- oder Platzgestaltungen, sind die Leistung eines begabten Poeten. Scarpa könnte man als einen Mann der Renaissance bezeichnen, denn er wusste nicht nur um die Baugeschichte, sondern auch um die künstlerischen Erscheinungen der zeitgenössischen Avantgarde seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine Laufbahn als Architekt entwickelte sich relativ langsam und reichlich spät. Zu Lebzeiten wurde er etwas herablassend als Kunstgewerbler oder Designkünstler abgetan. Als Lehrer und Meister zählt er nun zu den großen Architekturpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Scarpa lehrte jahrelang an der Architekturfakultät von Venedig, wo er eine ganze Generation von jungen Architekten aus Norditalien und dem benachbarten Tessin beeinflusste. Scarpa sagte einmal zu seinen „Lehrmethoden”: „Architektur muss kostbar sein, aber es ist nicht nur das gezielt eingesetzte Material, sondern die Arbeit von Kopf und Händen zusammen, die das Gestalten und Bauen wirklich ausmacht.“ Narrator des ausgezeichneten Dokumentarfilms ist der englische Architekt Richard Murphy.
Mittwoch, 19. Oktober 2005 | 19:00 Uhr
Past & Present [117 min.]
Nineveh on the Clyde – The Architecture of Alexander „Greek“ Thomson
Regie: Murray Grigor. UK. 1999. 55 min. Farbe. OF.
In den Fußstapfen der großen Vorbilder und (Lehr-)Meister der neo-palladischen Baukunst im ausgehenden 18. Jahrhundert und im Geiste von Sir John Soane, erlangte der britische Klassizismus unter dem Schotten Alexander „The Greek“ Thomson (1817-75) eine beachtliche Wiedergeburt, bei der die Reinheit und Sparsamkeit der antiken Dorer einen „nordischen“ Einschlag bekam. Vorwiegend in seiner Heimatstadt Glasgow – der damals zweitwichtigsten Hafen- und Handelsstadt des britischen Empires – tätig, lieferte der vortreffliche viktorianische Architekt, Historienmaler und Kunstliebhaber Thomson eine erstaunlich reichverzierte und originelle Interpretation des späteren Neo-Klassizismus, ebenbürtig mit Karl Friedrich Schinkel und Gottfried Semper im späteren Deutschen Reich. Seinen Kosenamen „The Greek“ trug er nicht zu Unrecht, denn just am Höhepunkt der englischen Romantik und Neugotik (Ruskin, Scott, Pugin) war es schon ungewöhnlich und altmodisch zugleich, noch im strengen Stil der griechischen Antike zu bauen. Der Film ist lehr- und aufschlussreich und deswegen auch empfehlenswert für den Schulunterricht. Erst vor kurzem wurde der Film anlässlich der Europa Nostra 2005 in Toblach (Südtirol) mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.
Sir John Soane – An English Architect, An American Legacy
Regie: Murray Grigor. USA. 2005. 62 min. Farbe. OF.
Der Film untersucht den Einfluss des eigenwilligen Eklektikers Sir John Soane (1753-1837) auf die zeitgenössische amerikanische Architektur und wie er dort überhaupt auf fruchtbaren Boden stossen konnte. Soanes sehr individueller und idieosynkratischer Stil wird oft abwertend als altmodischer historischer Eklektizismus bezeichnet, doch ist er wegen der stilistischen Beimischungen und Beimengung von alten und neuen Elementen, kombiniert mit verblüffend modernen Baumethoden, eigenwilligen Grundrißlösungen und durch den atmosphärischen Raumwerten alles andere als puristisch oder akademisch, sondern eher romantisch malerisch. Mittels Interviews einiger führender Vertreter der bereits antiquierten „postmodernen“ Architektur wie Robert Venturi, Denise Scott-Brown, Philip Johnson, Henry Cobb, Michael Graves, Richard Meier und zweier Architekturkritiker – PM-Papst Charles Jencks und Christopher Woodward – sowie durch Rundgänge zu ausgewählten Beispielen in den USA, liefert die TV-Dokumentation schlagende Beweise, wie weit die historische Wirkung von Soane in den USA noch virulent ist
Donnerstag, 20. Oktober 2005 | 19.00 Uhr
American Modernism [118 min.]
The Architecture of Frank Lloyd Wright
Regie: Murray Grigor. UK. 1983. 74 min. Farbe. OF.
Das Filmportrait über Frank Lloyd Wright (1867-1959) versucht anhand seiner Schlüsselbauten aus jeder stilprägenden Epoche, die Entwicklung seiner Gedanken, Geisteshaltung und Formensprache zu zeigen und zu ergründen, denn Wrights Oeuvre lässt sich keiner einzigen Modeströmung zuordnen. Die enorme Vielfalt der Stil- und Bauformen in Wrights evolutionärer Entwicklung, von einem begabten technischen Zeichner und Zimmerermeister im Stil der Arts-&-Crafts-Bewegung, über seine genuine Auslegung der „Prairie Schule“, vom Art déco bis zum Internationalen Stil und schließlich zur kitschigen Variante der Spät-Moderne der 50er Jahre, lassen die Einflüsse und Wurzeln des Meisters bewusst werden. Naturgemäß beginnt der etwas schulisch gemachte Filmbericht mit Wrights protestantischem, walisischen Background im Farm- und Hinterland von Wisconsin, seiner ausgeprägten Liebe zur Natur, zur Geometrie, zur klassischen Musik und schließlich zu seiner aufopfernden Mutter Catherine, die ihn mit außergewöhnlich liberalen und unkonventionellen Methoden erzogen hat, was ihm nicht nur großes Selbstwertgefühl, sondern auch eine gehörige Portion Arroganz gab. Der Film von Murray Grigor gewann mehrere Filmpreise, darunter eine Auszeichnung vom American Institute of Architects (1999).
Charles Gwathmey – In The Search For Clarity
Regie: Murray Grigor. USA. 1999. 44 min. Farbe. OF.
Dieser Werkbericht ist dem singulären Schaffen von Charles Gwathmey (* 1938), einem führenden Vertreter des poetischen Realismus bzw. kritischen Regionalismus der amerikanischen Ost-Küsten-Architekturszene gewidmet. Als 1/5 der legendären „New York Five“ (Peter Eisenman, Richard Meier, Charles Graves und John Hejduk) folgte „Charlie“ Gwathmey den Ideen Le Corbusiers ergebener als jeder andere der Gruppe. Viele seiner Bauten können als Rotation des Vokabulars der Spät- bzw. Zweiten Moderne durch seine neuartigen, fließenden und plastischen Raumlösungen gelten. Diese Art der Erforschung formalexperimenteller Möglichkeiten bis zum Äußersten, faszinierte auch Peter Eisenman, wobei Gwathmey jedoch der aktivere Baumeister blieb. Die Dokumentation erkundet ein breites Spektrum von Bauwerken, darunter sein erstes und unvergleichbares Elternhaus (1965-67) in Amagansett am äußersten Zipfel von Long Island, auf einer einsamen Heide. Sein lyrischer Gebrauch von Formen und Elementen der klassischen Moderne setzte sich bis zur Gegenwart kontinuierlich fort.
Texte: Helmut Weihsmann © 2005
