Architekturfilmreihe 2002
Made in France- zeitgenössische Baukunst in Frankreich
FilmvorführungMADE IN FRANCE
L´architecture contemporaine
Mit Einführungen von Helmut Weihsmann
in Zusammenarbeit mit dem Institut Français de Vienne, Le ministère des affaires étrangères (Bureau du documentaire), dem Institut Français d‘architecture (Paris) und dem
Programmkino Moviemento
Dametzstrasse 30, 4020 Linz
Kartenvorverkauf:
tel. (0732) 78 40 90 50
FAX: (0732) 78 40 90 40
http://www.moviemento.at
Im Gegensatz zu herkömmlichen Kino-Programmen werden anlässlich der Architekturfilmtage 02 Film-Reportagen, Dokumentationen und rare Kurzfilme zur aktuellen Baukunst vorgestellt, zum einen seltene und aufschlussreiche Filmporträts, Atelierberichte und Reportagen, zum anderen poetische und feuilletonistische Filmessays über einige wegweisende BaukünstlerInnen der globalen Architekturszene.
Dieses aktuelle Filmprogramm mit dem Schwerpunkt MADE IN FRANCE – l’architecture contemporaine en France – illustriert die Vielfalt des zeitgenössischen Schaffens im Bereich der aktuellen Baukunst in Frankreich zur Jahrhundertwende. Die zeitgenössische – international inzwischen viel beachtete – Architektur in Frankreich erlebt zur Zeit eine Blüte, die sich auch auf dem medialen Fernseh- und Filmmarkt niederschlug. Die heraus-ra-gendsten Leistungen auf dem Gebiet des Städte-, Büro, Wohn- und Industriebaus bieten Einblick in das breite Spektrum der verschiedenen Architekturströmungen und -haltungen innerhalb der französischen Architekturszene der Gegenwart. Eine große Zahl prominenter Architekten aus Europa und Amerika kommentieren ihre neuesten Projekte und Bauwerke, die sie in jüngster Zeit in Frankreich realisiert haben. Manche von ihnen haben sogar weltweite Beachtung und Anerkennung gefunden und besitzen geradezu Kultstatus. Sogenannte „Stararchitekten„ der Gegenwart wie Jean Nouvel, Christian de Portzamparc, Dominique Perrault, Paul Andreu, Henri Gaudin, Paul Chemetov, Christian Hauvette, Ieoh Ming Pei, Bernhard Tschumi, Rem Koolhaas, Renzo Piano, Santiago Calatrava, aber auch jüngere wie Patrick Berger, Adrien Fainsilber, Pierre Soria, Anne Lacaton & Jean-Phillipe Vassal etc. werden in Form von kurzen Filmporträts, Interviews und Atelierberichten vorgestellt. Die Reportagen erzählen von ihren jeweiligen Erfahrungen und von den unterschiedlichen Schwierigkeiten, welche ihnen die Arbeit des Entwerfens während der praktischen Umsetzung bereitet hat. Die Protagonisten erläutern zudem anschaulich mit Modellen, Zeichnungen, Computersimulationen und realen Raumdarstellungen, unter welchen Bedingungen es ihnen möglich war, eine architektonisch prägnante Lösung zu finden, die sowohl der Aufgabe von Ort und Funktion gerecht wird als auch den Ausdruck unserer komplexen Zeit verkörpert.
Dienstag, 29. Oktober 2002 | 19. 30 Uhr
L´architecture aujourd´hui [109 min.]
Das Neue Paris
Regie: Oliver Betz. BRD. 1992. 8 min. SW. OK.
Die neue Architektur in Paris, die während der Regierungszeit von François Mitterand in Paris errichtet wurde, sollte selbstbewusst und futuristisch zugleich bereits ins nächste Millennium verweisen, die prominenten Bauwerke in diesem abstrakten Filmessay adäquat in ihrer provokanten bzw. effektvollen Formensprache und photogenen Bildwirkungsästhetik einfangen.
Rem Koolhaas: Villa Dall´Ava à St. Cloud
Regie: Richard Copans. Fr. 1995. 26 min. Farbe. EF.
In einem vornehmen Vorort von Paris realisierte der wohl bekannteste Vertreter der gegenwärtigen Avantgarde seine Vorstellungen von einer modernen Villa für einen wohlhabenden, aber körperbehinderten Kunden. Der Film stellt das unorthodoxe Bauwerk aus lauter schiefen Ebenen, verrutschten Achsen, fließenden Raumübergängen, durchsichtigen Glaswänden und hydraulischen Apparaturen in Form einer nüchtern-dokumentarischen Bestandsaufnahme dar.
Jean Nouvel: HLM Nemausus une
Regie: Richard Copans. Fr. 1995. 24 min. Farbe. OmU.
Diese ausgezeichnete Filmstudie über einen exemplarischen Sozialwohnbau (HLM) im südfranzösischen Nimes konzentriert sich nicht nur auf die ungewöhnlichen Baugedanken in Bezug auf Form, Funktion und Material, sondern berichtet ausführlich über die Genese, Baugeschichte, den Sozialbezug und die Nachnutzung dieses ehrgeizigen Auftrages und über das ungewöhnliche wie widersprüchliche Resultat. Zur besseren Vorstellung des ehrgeizigen Konzepts und Programms wurden mehrere Computermodelle hergestellt, die ein besseres Verständnis für die Konstruktion, die neuartigen Bauprinzipien und die Raumaufteilung mit großzügigen Loft-Wohnungen vermitteln.
Anne Lacaton & Jean-Phillipe Vassal: Les mots de l’architecte
Regie: Leonardo di Constanzo. Fr. 1999. 51 min. Farbe. OmU.
Das Team aus Bordeaux gehört bereits zur mittleren Generation der französischen Gegenwartsarchitekten und ist trotz ihres guten Rufes stets Außenseiter geblieben, denn weder inszenieren sie sich selber, noch biedern sie sich den heutigen Modetrends an. Ihre bescheidenen und stillen Bauten sind pragmatische und kostensparende Lösungen und gehören einer mittlerweile selten gewordenen Tugend an, nämlich der der einfachen Bescheidenheit. Ihr einmal eingeschlagener Weg einer „architecture povera„ aus einfachen Ressourcen und natürlichen Baumaterialien setzt sich auch bei ihren neuen Bauten – seien es nun Einfamilien- oder Reihenhäuser oder eine Universitätsbibliothek – fort.
Mittwoch, 30. Oktober 2002 | 19.30 Uhr
Mainstream [128 min.]
Paul Andreu: Les mots de l’architecte
Regie: Marie-Paule Boisset Bayle de St.Setier. Fr. 1999. 50 min. OmU.
Ein außergewöhnliches Filmporträt über Paul Andreu, dem gefeierten Architekten und Bauingenieur der optimistischen Nach-Moderne mit seinen technologisch-fortschrittlichen Großbauten für das 21. Jahrhundert: Flughäfen, weitere Verkehrs-und Freizeitzentren, Shopping Malls, Kulturbauten und Baumonumente (Le grand arche) in aller Welt.
Charléty, un stade dans la ville [Das Charléty-Stadium]
Regie: Olivier Horn. Fr. 1996. 26 min. Farbe. OmU.
Der Kurzfilm erzählt die Chronik von einem außergewöhnlichen Projekt, welches von seinen Schöpfern persönlich erzählt wird. Auf einem riesigen Grundstück im XIII. Arrondissement von Paris ist das alte Charléty-Stadion aus dem Jahre 1938 einem neuen, gewaltigen Stadion (Fassungsvermögen: 20.000 Besuchern) für sportliche Veranstaltungen aller Art gewichen, welches von Henri Gaudin und seinem Sohn Bruno entworfen wurde. Wie sich das Bauwerk zur Stadt nach allen Seiten wie eine Arena öffnet, ermöglicht es nicht nur den Austausch der Zonen, sondern verbindet den Verkehr von Paris zu seinen Vororten. Indem der Blickwinkel auf das Bauwerk immer weiter während des Films verbreitert wird, versteht man zunehmend das Konzept dahinter, das dem Bauwerk eine unverwechselbare Gestalt und urbane Multi-Identität verleihen. Die zeichenhafte Architektur des Verwaltungstraktes erinnert an die Form eines gestrandeten Schiffes.
L´architect et le temps
Regie: Dominik Rimbault. Fr. 2000. 52 min. Farbe. OF.
Nüchterner Lagebericht der zeitgenössischen Architektur in Frankreich im Übergang vom staatlichen zum privaten Bausektor. Neben dem Philosophen Alain Renaud und dem Architekturkritiker Jean-Pierre de Dantec kommentieren zwei namhafte Architekten (Henri Gaudin und Christian de Portzamparc) ihre neuesten Realisationen, von denen das Projekt von Gaudin für eine neues Campusareal der Université de Picardie in einem alten Industrieviertel von Amiens insofern interessant ist, als es neben seinen urbanen Vorzügen sowie räumlichen und architektonischen Qualitäten das Herz der Stadt wieder belebte und so auch vor der drohenden Verslumung bewahrt hatte. Portzamparcs berühmtes Projekt für die Cité de la Musique in La Villette (Paris) bildet den zweiten Schwerpunkt des Films, wobei sein Architekturansatz auf der Vorstellung beruht, dass ein Gebäude ein Fragment der Stadt sei, das ihren charakteristischen Maßstab und ihre Dichte verkörpert. Seine Cité de la Musique war auch groß und bedeutend genug, um sein modisches Repertoire futuristischer Archetypen und urbaner Rauminzenierungen auszuprobieren.
Donnerstag, 31. Oktober 2002 | 19. 30 Uhr
Mega Stars [116 min.]
Santiago Calatrava: Satolas TGV de Lyon
Regie: Catherine Adda. Fr. 1999. 52 min. Farbe. EF.
Das spektakuläre Projekt eines neuen TGV-Bahnhofs als Verkehrs- und Stadtknotenpunkt für Lyon wurde auf dem Gelände des Flughafens auf freiem Feld errichtet und umfasst zwei wesentliche Elemente: Einerseits den Zugtunnel in expressiver Stahlbetonausführung, andererseits die darauf ruhende filigrane Dachkonstruktion der großen Empfangs- und Verteilerhalle. Der spanische Bauingenieur Santiago Calatrava mit doppelten Wohnsitz Paris und Zürich hat eine bizarre Fantasy-Architektur geschaffen, die einerseits die Struktur der Konstruktion hervorhebt, andererseits die Bewegung eines Vogelflugs symbolisiert. Die kühne, schmetterlingsförmige Dachkonstruktion wird nach außen hin immer offener und transparenter.
Dominique Perrault: Naissance d´une Bibliothèque National de France
Regie: Madeleine Caillard. Fr. 1995. 40 min. Farbe. OmU.
Diese Baumonographie über das imposanteste der „Grand projets„ der Ära Mitterrand verfolgt genau die Chronik der wechselhaften Ereignisse und teils auch polemisch geführten Debatte über das ambivalente Bauwerk BNF sowie die städtebauliche Entwicklung eines der umstrittensten Prestigebauten der Fünften Republik, ergänzt mit den Kommentaren des verantwortlichen Gestalters Perrault, der als jugendlicher Sieger des internationalen Prestige-Wettbewerbs hervorgegangen war. Die Umwandlung der urbanen Landschaft im städtebaulich sowieso brach liegenden Hafenviertel des Rive gauche zu einer verfestigten Kruste am östlichen Stadtrand von Paris ermöglichte trotz so mancher architektonischer Fehlschläge einen neuartigen Stadtbinnenraum mit einem außerordentlichen durchmischten Kulturangebot entstehen zu lassen.
Dominique Perrault: Les mots de l´architecte
Regie: Richard Copans. Fr. 1999. 26 min. Farbe. OmU.
Eine weitere Folge aus der erfolgreichen Fernsehserie „Die Worte des Architekten„ widmet sich der Person und dem Werk des renommierten Star-Architekten. Er erläutert ebenso selbstbewusst wie leidenschaftlich seine neuesten Realisierungen und Projekte, darunter das BNF, ein maison industrielle an der Banlieue-Zone von Paris, ein Radstadion und das Grand Plateau industrielle in Caen, sein bislang größtes Projekt zur Raum- und Landschaftsgestaltung sowie die Re-Urbanisierung eines ganzen Stadtteils.
OF Originalfassung
EF Englische Fassung
OK Ohne Kommentar
OmU Originalfassung mit englischen Untertiteln
