ingenieurbaukunst konstruktion und perfektion
SUNDAY BRUNCH
FilmvorführungWährend prominente Baukünstler mit ihren Bauwerken zu gefeierte Protagonisten des Architekturfeuilletons werden, sind die Ingenieurleistungen des Brücken- und Tragwerkbaues meist nur Fachleuten und Insidern bekannt. Die Kunst des Ingenieurbaues ist so selbstverständlich, dass die Öffentlichkeit kaum Notiz davon nimmt. Nur wenige Menschen machen sich Gedanken über
die Technik, Funktion und Form des Brückenbaues. So spannend, ästhetisch und wundervoll können auch Filmreportagen über Brücken sein: Zwei reizvolle, stilistisch unterschiedliche Filmporträts von Robert Maillart (1872–1940) und Santiago Calatrava (*1951) widmen sich den verschiedenen Naturells der berühmten Brückenbaumeister.
Gewaltige Brückenkonstruktionen und andere technische Baudenkmäler faszinieren nicht nur als innovative und spektakuläre Ingenieurleistungen, sondern waren gerade im Zeitalter der Industrialisierung ein wesentlicher Motor für die Entwicklung der modernen Verkehrs- und Fabriksarchitektur. Mit dem zunehmenden Spezialisierungsprozess im Bauwesen haben sich die Berufe des Architekten und des Bauingenieurs voneinander gespalten und eine neue Art der Bewertung ihres Œuvres bedingt. Die singuläre sowie elitäre Stellung des Künstler-Architekten, der allein für die so genannte „Baukunst“ zuständig ist, verdrängt den Bauingenieur in die Rolle eines anonymen Dienstleisters. Wenn aber der nur scheinbare Unterschied zwischen Architektur und Technik artifiziell ist, kann und soll man sich auch daran erinnern, dass sich auch beim Ingenieurbauwesen ein notwendiger ästhetischer Wertwandel vollzogen hat.
Maillarts Brücken
Regie: Heinz Emigholz. Deutschland. 2000. 24 min. Farbe. 35 mm.
Der weltweit angesehene Schweizer Bauingenieur Robert Maillart eröffnete eine bis dahin unbekannte Formenwelt im Brückenbau. Die „Foto-Essays“ vom Filmgestalter Emigholz verzichten auf jeden Kommentar, stattdessen zeigen sie die Bauwerke in einem stoischen Bildtempo und in großer Konzentration auf Details lassen sie die Architektur sich selbst darstellen und „ausreden“.
Die Reisen des Santiago Calatrava
Regie: Christoph Schaub. Schweiz. 2000. 77 min. Farbe. 35 mm.
Der Hispano-Schweizer Santiago Calatrava genießt durch seine ausgefallenen und spektakulären Projekte längst Weltruhm. Seine kühnen Brücken- und Hallenkonstruktionen auf der ganzen Welt sind ebenso beliebt wie umstritten. Calatravas Interesse für kühne und außergewöhnliche Formen, sein Bestreben, Technik und Natur miteinander zu verschmelzen, seine stete Suche nach neuen Möglichkeiten der Technik machen seine Konstruktionen zu kühnen Kunstwerken.
Anschließend Diskussion
mit den Linzer Bau- und Ziviltechnikern Rudolf Wernly, Erhard Kargel, Wolfgang Kirchmair und Max Nirnberger (x architekten) unter der Leitung von Helmut Weihsmann (Kurator).
