Peter Kubelka
SPEISENBAU - ein Vortrag über das Kochen als Bildende Kunst / Küche: Herbert Hartl
PerformanceSPEISENBAU – ein Vortrag über das Kochen als Bildende Kunst
Das Zubereiten der Speisen ist die historisch früheste tätige Veränderung des Menschentieres an der materiellen Welt. Die ersten Steinwerkzeuge dienten der Speisenbereitung schon vor ungefähr 3 Millionen Jahren.
Keine andere Kunstgattung reicht so weit zurück – außer vielleicht die Architektur.
Das erste geklopfte Fleisch und das erste gescharrte Schlafnest liegen nicht weit auseinander. Beide Kunstarten haben auch heute noch den Vorzug, praktisch dem Überleben zu dienen: Die Speisen müssen ernähren, die Räume vor Wind und Wetter schützen. Dies trägt ihnen zu Unrecht die Geringschätzung der sogenannten freien Künste ein. Zu Unrecht. Das Angewandte bewahrt vor dem Verlust des Hausverstandes. Die Nähe der beiden Kunstarten Kochen und Architektur und ihr Verhältnis zueinander sind das Thema der Betrachtungen von Peter Kubelka, der auch nichtverbale Argumente benützt: Beispiele zum Sehen, Riechen, Fühlen und Schmecken.
Peter Kubelka, geboren 1934 in Wien, aber aufgewachsen in Oberösterreich, verschreibt sich ab seinem siebzehnten Lebensjahr dem Film; seinen ersten, produziert von Rudolf Malik, dreht er in Linz. Anerkannt als führender Vertreter der internationalen Filmavantgarde geht er 1966 nach Amerika. Er beginnt dort seine Arbeit als Theoretiker und beschäftigt sich mit kulturellen Äußerungen jeder Art. Er strebt bewusst seine "Entspezialisierung" an. Das Ziel ist ein zusammenhängendes Weltverstehen, zu dem alle zur Verfügung stehenden sinnlichen Erfahrungen herangezogen werden. "Nicht singen lassen – sondern singen". Im Zuge seiner vergleichenden Studien der kommunizierenden Medien entdeckt Kubelka das Kochen als vollgültige, den anderen Kunstgattungen gleichwertige Disziplin. 1980 führt er "Kochen als Kunstgattung" gleichwertig mit Film in das Curriculum der Kunsthochschule in Frankfurt ein, wo er seit 1978 einen Lehrstuhl innehat.
Kurzfilmographie: Mosaik im Vertrauen (1955), Adebar (1957), Schwechater (1958), Arnulf Rainer (1960), Unsere Afrikareise (1966), Pause! (1977), Dichtung und Wahrheit (1996); Mitbegründer des Österreichischen Filmmuseums und der Anthology Filmarchives; Entwurf eines idealen Vorführraumes für Film – "Unsichtbares Kino", dessen dritte Version, ausgeführt von den Architekten Steinmayr und Mascher, am 3. Oktober 2003 vom Österreichischen Filmmuseum eröffnet wurde.
Kuratoren: Sabine Funk und Pter Smmerauer
