ArchitekTOUREN

LINZ - An der Tramway

Schon seit Begin des 20. Jahrhunderts verfügt Linz über ein elektrifiziertes Straßenbahnnetz, dessen Route entscheidend zur Weiterentwicklung der Stadt beigetragen hat. Die starke Nord-Süd-Orientierung ist heute noch erlebbar und hat der Stadt den Spitznamen "Linz an der Tramway" eingetragen. Eine Fahrt mit den Straßenbahnen der Linien 1 und 2 bietet einen repräsentativen Querschnitt durch die Linzer Stadtentwicklung: von Stadtrandbebauungen der 70er Jahre, über die Hitlersiedlungen, weiter zur Altstadt, in die Zonen der Industrie- und Gewerbegebiete und wieder hinaus bis zu den aktuellen Stadterweiterungsprojekten.

Auswahl, Text: Veronika Müller

Übersichtskarte ausblenden
11 Bauwerke gefunden:
01

Sciencepark Auhof

Altenberger Straße 69, 4040 Linz, A
PlanerIn: Caramel (2006-2009) BauherrIn: BIG Fertigstellung Herbst 2009

"Kopfbau"

Um Wirtschaft und Forschung näher an die Universität zu bringen wurde 2008 mit dem Bau des so genannten "Sciencepark" in unmittelbarer Nähe zum Campus der Johannes Kepler Universität begonnen. Bis lang ist der erste von insgesamt fünf Baukörpern errichtet, trotzdem lassen sich die Qualitäten der Anlage schon ahnen. Der langgestreckte Bau nimmt nicht nur Rücksicht auf die für das Stadtklima wichtige Durchwindung von Altenberg, sondern schafft mit seinen Knickungen unterschiedliche Außenbereiche, Plätze die das Thema "Universitätscampus" neu interpretieren.

Damit der Bau im inneren gewissermaßen wie ein PDP-System (Parallel Distributed Processing) funktioniert, wurde auch im Inneren darauf geachtet zwischen den einheitlichen Strukturen offene Bereiche zu schaffen, die einen Austausch und Lebendigkeit fördern.

02

Spar Linz Dornach

Johann-Wilhelm-Klein-Straße 13, 4020 Linz, A
PlanerIn: archinauten (2000-2002) BauherrIn: SPAR

"Leuchtkörper"

Supermärkte waren und sind meist schlichte Betonkisten, lediglich dazu da mit möglichst geringem Aufwand möglichst viele Kunden anzulocken und mit Sonderangeboten zu versorgen. Doch mit zunehmender Konkurrenz und dem Aufkommen des Begriffes "Kauferlebnisses" müssen sich auch große Lebensmittelkonzerne um eine neue Prägnanz vor Ort bemühen. In diesem Fall wurde ein bestehender 08/15-Bau mittels einer kostengünstigen wie effektvollen Industrieverglasung auf Vordermann gebracht. Wie eine zweite Haut umhüllt die neue Fassade nicht nur den profanen Baukörper und die zum Betrieb notwendige Haustechnikanlagen sondern wird mittels Farb- und Lichtkonzeptes zum Corporate Design.

© Dietmar Tollerian
03

Urnenfriedhof und neue Aufbahrungshalle

Urnenhainweg 8, 4040 Linz, A
PlanerIn: Klaus Kada (2000-2003) BauherrIn: Linz Service GmbH, Bestattung und Friedhöfe

"last farewell"

Nachdem die 1928 von Julius Schulte errichtete Feuerhalle nicht mehr dem jährlich steigenden Bedarf entsprechen konnte wurde 2003 in einem Erweiterungsgebiet des Urnenhains einen neue Aufbahrungshalle errichtet. Im Gegensatz zur schweren, expressionistischen Architektur des Altbaus zeichnet sich der neue Bau durch eine andere Grundhaltung aus: in den Licht durchfluteten, klaren, weißen Baukörpern scheinen nicht Trauer und der Abschied vom Leben im Vordergrund zu stehen, sondern die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Spannenderweise ist der Bau gleichzeitig von hoher nahezu profaner Funktionalität und Umweltverträglichkeit.

© Gerald Zugmann
04

Ars Electronica Center

Hauptstraße 2, 4040 Linz, A
PlanerIn: TREUSCH architecture (2006-2008) BauherrIn: Stadt Linz In speziellen Rundgängen können die BesucherInnen die tollsten Ausstellungsprojekte unter fachmännischer Führung kennen lernen. Die "Highlightsführungen" werden täglich (außer montags) um 11:00 und 14:00 Uhr angeboten. Für Kinder ab 6 gibt es zur selben Zeit eigens konzipierte "Abenteuerreisen".

"Spielconsole"

"Brauchen Digital Arts noch den realen Raum?", dieser Frage wird hier mit einem eindeutigen "Ja", beantwortet. Gilt es doch diese Kunst auch zu vermitteln; und dabei spielt die Architektur eine nicht unwesentliche Rolle. Der Umbau des AEC stellt das Spielerische der neuen Medien in den Mittelpunkt und ist so angelegt, durch eine Vielfalt unterschiedlichster Räume, Nischen und Oberflächen eine Vielzahl an Bespielungsmöglichkeiten zuzulassen. Ein Konzept, dass sich auch im Außenraum wiederholt: das über den Ausstellungshallen liegende öffentliche Maindeck garantiert nicht nur den Anrainern weiterhin ungehinderten Ausblick auf die Donau, sondern lädt zur Bespielung ein.

© Andreas Buchberger
05

Bürgerservice Center Linz + Trauungssaal

Hauptstraße 1-5, 4041 Linz, A
PlanerIn: Andreas Heidl (2001-2002) BauherrIn: Stadt Linz Zugänglichkeit: Öffnungszeiten Bürgerservice Center Linz
Montag bis Freitag, täglich von 7 bis 18 Uhr

"noblesse de robe"

Geänderte bürokratische Abläufe, aber nicht nur die, machten es notwendig in den Bestandsbau von Rupert Falkner aus den 60er Jahren, neue Konzepte der Kundenbetreuung zu etablieren. Dabei bedienen sich die Umbauten des Bürgerservicecenters und des Standesamtes der bestehenden Strukturen, die aber in ein neues räumliches und ästhetisches Konzept integriert sind. Übersichtliche Großräume, im Standesamt lediglich durch Glaselemente getrennt, ermöglichen eine leichtere Orientierung; der hohe Anspruch an die Ästhetik in Detail und Material schafft eine aktuelle Form der Repräsentationsarchitektur.

© Josef Pausch
06

Andreas Hofer Park

Brucknerstraße, 4020 Linz, A
PlanerIn: Karin Standler (2003-2004) BauherrIn: Magistrat Linz

"social agenda"

Als wichtige städtische Erholungsräume sind Parks unersetzlich, aber oftmals auch Schauplatz interkultureller und intergenerationeller Konflikte. Der in der Gründerzeit entstandene Andreas Hofer Park war hier keine Ausnahme. Im Interesse der Bewohner des Stadtviertels wurde auf Basis eines partizipativen Planungsworkshops eine Umgestaltung vorgenommen, die auf die geäußerten Bedürfnisse und Befürchtungen der NutzerInnen reagiert. Ein zentraler Hügel schafft sowohl Spielraum als auch Zonen unterschiedlicher Nutzung und durch die Entfernung der Sträucher wurde nicht nur der alte Baubestand wieder aufgewertet, sondern auch eine Durchlässigkeit und Übersichtlichkeit erreicht.

© Dietmar Tollerian
07

Berufsschule 8

Glimpfingerstraße 8b, 4420 Linz, A
PlanerIn: HERTL.ARCHITEKTEN (2002-2008) BauherrIn: Land Oberösterreich

"Investition in die Zukunft"

Seit 2003 bietet die Berufschule 8 erfolgreich die Ausbildung als "Öko-Installateur" an. Doch der beherbergende Bau aus den 70er Jahren konnte mit den propagierten Energiestandards schon länger nicht mehr mithalten. Im Rahmen eines umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsprojektes wurden nicht nur die Fassade und das äußere Erscheinungsbild energetisch wie ästhetisch auf aktuellen Stand gebracht, sondern auch neue Raumangebote für das Lehrlingsheim geschaffen. So konnten unter anderem, als Folge der hohen energetischen Einsparungen, das vor Jahren stillgelegt Hallenbad saniert und reaktivier werden, und neue Kommunikationsbereiche im Bestand etabliert werden. Als weitere Bauetappen sollen in nächster Zeit noch Turnhalle, Schule und Werkstätten folgen.

08

Linz AG Center

Wiener Straße 151, 4020 Linz, A
PlanerIn: Ganahl Ifsits Architekten (2006) Öffnungszeiten Kundenzentrum
Montag - Donnerstag: 8.00 - 17.00 Uhr und
Freitag: 8.00 - 13.00 Uhr
Erreichbarkeit: Straßenbahnlinie 1, 2

"scaped land"

Um durch Synergieeffekte eine bessere Rationalisierung und Kosteneffizienz zu erreichen, war der erste Schritt der Linz AG nach ihrer Gründung 2000 die Zusammenführung der verschiedenen Verwaltungsbereiche. Trotz dieses sehr ökonomischen Vorgehens ist bei der dadurch notwendigen Erweiterung eines bestehenden Verwaltungsgebäudes kein gesichtsloser Bürobau entstanden, sondern ein Gebäude, das in einem städtebaulich inhomogenen Gebiet an einer vierspurigen Einfallstraße statt auf Solitärbauten wieder auf halböffentliche Außenräume setzt. Hinter einem torartigem Baukörper entlang der Wiener Straße erschließt sich den MitarbeiterInnen und BesucherInnen ein akribisch gestalteter Freiraum der dem Areal trotz der hohen Dichte Luftigkeit, Ausblick und Identität verleiht.

© Dietmar Tollerian
09

ÖAMTC Linz

Wankmüllerhofstraße 60, 4020 Linz, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (2005-2008)

Dass sich der Verkehrsclub ÖAMTC der Möglichkeiten von Architektur als Vermittler von Firmenkultur bewusst ist, dafür gibt es zahlreiche Belege. Dementsprechend war die Aufgabenstellung des Bauherren ein Leitgebäude für Oberösterreich zu schaffen, das ökologisch und zukunftsorientiert angelegt ist und die Eigenschaften Freundlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Kompetenz ausstrahlt. Als logische Antwort stehen bei dem neuen Gebäude die Dienstleistungen des Clubs im wahrsten Sinne des Wortes in der Auslage. Die Servicehalle ist komplett einsichtig, die Kunden können die Reparatur ihres Autos live mitverfolgen. Über der Servicezone schwebt das Headquater, gewissermaßen Eyecatcher und - gemeinsam mit einem hochmodernen Haustechnikkonzepte wie Wärmerückgewinnung, Bauteilkühlung, etc. - Repräsentant der technischen Leistungsfähigkeit.

© Josef Pausch
10

Spar-Markt Ebelsberg

Kremsmünstererstraße 5 (Ebelsberg), 4030 Linz, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (2000-2002) BauherrIn: SPAR

"drive in"

Ein weiteres Beispiel für die Auseinandersetzung eines Konzerns mit dem Ort um die Einprägsamkeit seines Kaufangebotes zu sichern. Frei nach dem Thema Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten wurde bei diesem Supermarkt das leidige Thema der flächenintensiven Parkplätze zum konzeptionellen Bestandteil der Architektur. Die Einbindung des Verkehrs ist weder beliebig, noch wird sie versteckt, sondern prägt bewusst das Gebäude. In der verkehrstechnischen Bewegung um das Gebäude bieten sich verschiedenste Ein- und Ausblicke, welche dem Kunden die Möglichkeit der Orientierung und unterschiedliche Raumerlebnisse bieten. Um aber die allseitige Bewegung nicht zur Unruhe werden zu lassen fasst ein Fassadenvorhang aus Flachstahl das Konglomerat aus Rampen und Räumen wieder zu einem ruhigen Ganzen.

© Dietmar Tollerian
11

Seelsorgezentrum Solarcity

Pegasusweg 1-3, 4030 Linz, A
PlanerIn: pointner | pointner architekten (2004-2006) BauherrIn: Diözese Linz

"in sich gehen"

Mit dem Bau des auf dem Reißbrett entstandenen Wohngebiets Solarcity hat die Stadt Linz eines der größten, ehrgeizigsten und umstrittensten Stadterweiterungsprojekte der Nachkriegszeit umgesetzt. Auf Basis eines Masterplans von Roland Rainer, und unter Planungsbeteiligung einer Reihe von Stararchitekten (Norman Foster, Richard Rogers, Renzo Piano, u.a) wird hier seit 2003 unter dem Label "Umweltmusterstadt" rund 4000 Menschen Wohn- und Lebensraum geboten. Neben rund 1300 Wohnungen sollen eine umfassende Infrastruktur bestehend aus zentralem Ortsplatz, Schulen, Kindergarten, Freiraumgestaltung und Seelsorgezentrum für die Alltagstauglichkeit und Akzeptanz dieser Trabantenstadt sorgen.
Inmitten dieser vielgestaltigen Umgebung nimmt neben dem teilüberdachten Ortsplatz das Seelsorgezentrum eine wichtige identitätsstiftende Aufgabe ein und wagt den Spagat zwischen kommunikativem Treffpunkt und Ort der Ruhe und Spiritualität. Der Erfolg dieses Ansatzes liegt in der Abfolge thematisch unterschiedlicher Höfe und Räume, deren Aufeinanderfolge den Wechsel vom öffentlichen Leben zur inneren Einkehr nachzeichnet.

© Bruno Klomfar