ArchitekTOUREN

Sommerfrische - Salzkammergut

Das Salzkammergut ist eine ebenso prominente, wie empfindliche Region. Nicht so einfach abgrenzbar, umso begehrter als Markenbegriff. Und was geographisch ganz sicher nicht mehr dazugehört, dem bleibt es unbekommen, sich "Tor" oder "Schwelle" zum Salzkammergut zu nennen. Ungeachtet dessen fühlt sich aber fast alles, dem das Prädikat "Salzkammergut" vorsteht, in erster Linie der Tradition und der Vergangenheit verpflichtet, auch wenn diese Vergangenheit oft sehr selektiv, bisweilen auch mystifizierend, aufgefasst wird.
In diesem Spannungsfeld von Alt und Neu, von Tradition und Innovation, inmitten einer einzigartigen Landschaft, finden sich nun aber auch zahlreiche Beispiele der Gegenwartsarchitektur, die die Baukultur der Region ebenso weiter tragen wie neu definieren.

Auswahl und Texte: Walter Werschnig, Veronika Müller

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8 Bauwerke gefunden:
01

Kohlebrecher, Wolfsegg am Hausruck

Kohlegrube, 4902 Wolfsegg, A

"Zeitzeugnis"

1922/23 errichtet, ist diese 20m hohe Industrieruine nach mehreren Bränden auf ihr Stahlbetonskelett reduziert. Lange Zeit der "Schandfleck" der Gegend, gewissermaßen Zeugnis des Niedergangs des Braunkohlebergbaus, ist der Brecher seit 2003 vielseitiges, und doch unverwechselbares Bühnenbild für eine weit über die Region hinaus wirkende Kulturinitiative.

© werbe-i-d.at/PICHLER
02

Hallenbad Vöcklabruck

Hausruckstraße 25, 4840 Vöcklabruck, A
PlanerIn: Dietmar Neururer, Christoph Gärtner (2003)

"Badefreuden unter Dach"

Das klassische alltagstaugliche Freizeit-Angebot innerhalb der Stadt ist längst mehr als nur Ort des Schwimmsports. Die Wellness- und Erlebnisbranche boomt und auch die städtischen Bäder tragen vermehrt dieser Nachfrage Rechnung. Dass es auch ohne Exotik-Kulisse geht zeigt das gegenständliche Beispiel. Eine ruhige Struktur und lichtdurchflutete Räume, der umgebende Naturraum, der sich in den Wasserbecken spiegelt und natürlich das sinnliche Erlebnis des kühlen Nass. Mehr braucht es eigentlich nicht um zum Urlaub auf den "Dahamas" einzuladen.

© Klaus Costadedoi
03

Musikschule Vöcklabruck

Schererstraße 9, 4840 Vöcklabruck, A
PlanerIn: Gärtner+Neururer (2007-2008) BauherrIn: VFI

"das Spiel der wohltemperierten Architektur"

Wo einst Kammersänger Oskar Czerwenka residierte und wohl auch musizierte, findet sich seit 2008 eine der modernsten Musikschulen des Landes Oberösterreich. Die denkmalgeschützte Villa des prominenten Vorbesitzers wurde subtil restauriert und um Proben-, Unterrichtsräume sowie einen Veranstaltungssaal erweitert. Der schlichte winkelförmige Neubau bleibt respektvoll unter der Traufenhöhe des Altbestandes und gewinnt im spielerischen Umgang mit den unterschiedlichen Gebäudeniveaus sowohl vollwertige Räume im Untergeschoss als auch einen attraktiven Außenraum.

© Andrew Phelps
04

Evangelisches Museum Rutzenmoos, Regau

Rutzenmoos 5, 4845 Regau, A
PlanerIn: Peter Kuglstätter, Hans Puchhammer

"die Kunst des Understatements"

Zeitgenössischer Architektur wird oft vorgeworfen zu streng, zu nüchtern zu sein. Doch wie gerade dieser Eingangsbau zur ehemaligen evangelischen Schule zeigt, können Schlichtheit und Einfachheit, wenn sie mit Ausführungsqualität und Poesie kombiniert werden, eine sachliche wie sinnliche Eleganz vermitteln: Qualitäten, die an dieser Stelle gewissermaßen programmatisch und der Tradition protestantischer Gestaltungsauffassung verhaftet sind.

© Peter Kugelstätter
05

Pfarrkirche, Seewalchen

Hauptstraße 6, 4863 Seewalchen - Unterbuchberg, A
PlanerIn: Hans Puchhammer

"Zur Gotik ins 21. Jahrhundert"

Selten ein Bautypus, an dem die Schichten unserer Kultur (und Kunst) besser ablesbar sind als an unseren Kirchen. Auch diese im Kern gotische Pfarrkirche hat schon so manchen architektonischen "Richtungswechsel" erlebt. Im Zuge der letzten baulichen Neuordnung wurde sie vom Ballast voriger Einbauten bereinigt, um die ursprüngliche Raumintention wieder erlebbar zu machen. Neue Räume, wie das glasüberdeckte Seitenschiff, übernehmen, in zeitgemäßen Materialien, die Sprache des ursprünglichen Baus und lassen gleichzeitig die alten Strukturen sichtbar.

© Hans Puchhammer
06

Hotel Oberndorfer, Attersee

Hauptstraße 18, 4864 Attersee, A
PlanerIn: Luger & Maul

"step by step"

Der Wandel vom traditionellen Gasthof zum Wellnesshotel ist ein Prozess, der bedacht und in überschaubaren Schritten erfolgen sollte, will man neue Kunden gewinnen, ohne die alten zu verlieren. Dementsprechend liegt der Entwicklung dieses Familienbetriebes ein langfristiges Planungskonzept zugrunde. Nach der Adaptierung des Festsaales, der Umgestaltung der Rezeption wurde die Neugestaltung nach außen erst mit der Errichtung der Hotelhalle sichtbar. Die jüngste Investition bietet dem Gast einen eigenen Wellnessbereich. Wie alle anderen Eingriffe überzeugt die Gestaltung durch Großzügigkeit, reduzierten Materialeinsatz und die heiter-kultivierte Grundstimmung: ganz im Sinne klassischer Sommerfrische.

© Edith Maul-Roeder
07

Seecamping Gruber, Nussdorf am Attersee

Dorfstrasse 63a, 4865 Nussdorf, A
PlanerIn: Luger & Maul (1993-1997) BauherrIn: Ludwig Gruber GmbH

"Kultur-Landschaft"

Der Campinggast ist eine eigene Spezies unter den Sommerfrischlern. Einer Weinbergschnecke gleich bewegt er das eigene Heim durch die Lande, auf der Suche nach dem schönsten Platz um sich - temporär - dort nieder zu lassen. Der Campingplatz an sich hat nun die Aufgabe, Natur mit allem Komfort der Zivilisation zu vereinen. Sinnhafte und sinnliche Architektur wiederum hat die Aufgabe, diesen Komfort durch Proportion, Positionierung und Materialwahl mit Landschaft und Natur in Einklang zu bringen - hier eindrucksvoll bewiesen.

© Klaus Costadedoi
08

"Die Röhre", Unterach

Eichenweg 1, 4866 Unterach, A
PlanerIn: Richard Nikolussi

"rolling, rolling, rolling,..."

Tourismus und Verkehr sind bekanntlich zwei Seiten derselben Medaille, schließlich kann Fernweh schlecht durch örtliches Verharren befriedigt werden. Klassische Sommerfrische-Regionen müssen mit dem vorbeirollenden Verkehr leben - oder sie machen aus der Not eine Kultur, wie bei der gegenständlichen Raststätte. "Die Röhre" ist ein reiner Holzbau aus 21 Elementen, die mittels Keilverzinkung statisch verbunden sind. Dem müden Reisenden bietet sich nicht nur eine bergende, vom Verkehr abgeschirmte Atmosphäre, sondern auch das Erlebnis eines ungewohnten Raumes.

© Walter Werschnig