ArchitekTOUREN

Sommerfrische - Trauntal und Traunsee

Das Salzkammergut ist eine ebenso prominente, wie empfindliche Region. Nicht so einfach abgrenzbar, umso begehrter als Markenbegriff. Und was geographisch ganz sicher nicht mehr dazugehört, dem bleibt es unbekommen, sich "Tor" oder "Schwelle" zum Salzkammergut zu nennen. Ungeachtet dessen fühlt sich aber fast alles, dem das Prädikat "Salzkammergut" vorsteht, in erster Linie der Tradition und der Vergangenheit verpflichtet, auch wenn diese Vergangenheit oft sehr selektiv, bisweilen auch mystifizierend, aufgefasst wird.
In diesem Spannungsfeld von Alt und Neu, von Tradition und Innovation, inmitten einer einzigartigen Landschaft, finden sich nun aber auch zahlreiche Beispiele der Gegenwartsarchitektur, die die Baukultur der Region ebenso weiter tragen wie neu definieren.

Auswahl und Texte: Walter Werschnig, Veronika Müller

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9 Bauwerke gefunden:
01

Musikheim und Jugendzentrum Kitzmantel, Vorchdorf

Laudachweg 15, 4655 Vorchdorf, A
PlanerIn: Luger & Maul

"jam session"

Dass sich ehemalige Fabrikanlagen vorzüglich für kulturelle Zwecke eignen, ist schon mehrfach bewiesen worden. Auch diese ehemalige Gerberei und Schuhproduktion wurde, nach anfänglicher ebenso ambitionierter wie improvisierter Bespielung durch den lokalen Kulturverein, entsprechend adaptiert. In mehreren Etappen wurde der Bestand von früheren Einbauten und "Sondermüll" befreit und – wo notwendig – ergänzt. Wobei die neuen Bauteile bewusst als Interventionen der Gegenwart gestaltet sind und sich in der Materialsprache an der Rauheit von Industriearchitektur orientieren.

© Andrew Phelps
02

Pfarrkirche St. Laurentius, Kirchham

Kirchham 46, 4656 Kirchham, A
PlanerIn: Friedrich Kurrent (1991-1998) BauherrIn: Pfarramt Kirchham

"Seite an Seite"

Die spätgotische Kirche war ein Kleinod, aber eben zu klein. Der ihr zur Seite gestellte - von außen eher profan wirkende - Neubau fügt sich fast "provozierend unauffällig" (Zitat: Friedrich Achleitner) ins Dorf. Erst im Eintreten aus der transparenten Eingangszone wird hier ein sakraler Raum erlebbar, der von der warmen Oberflächenstruktur unverputzten Ziegelmauerwerks und der bewusst inszenierten Lichtführung bestimmt wird. Die alte Kirche übernimmt nun die Funktion als Wochentagskapelle sowie als besonderer Raum für Hochzeiten und Taufen.

© Margherita Spiluttini
03

Kabelsteg, Laakirchen

Museumsplatz 1, 4662 Laakirchen, A
PlanerIn: Kurt Pock, Christian Halm

"Brückenschlag"

Flussabwärts des Papiermacher-Museums Steyrermühl, wo lange Jahre der "Kabelsteg" - eine alte Rohrbrücke der Papierfabrik - die Traun querte, transportiert nun eine Fußgänger- und Radfahrbrücke lokalen Ausflugstourismus. Die Lösung ist kein - weiteres - Industrieobjekt. In der Kontur der Brücke finden die Bewegungen des Flusses ihre Entsprechung. Ingenieurbaukunst überwindet "leichtfüßig" die Gegensätze von Werksgelände und Naturlandschaft, von Flach- und Steilufer und schlussendlich auch die Grenze der beiden Gemeinden Ohlsdorf und Laakirchen.

© Walter Werschnig
04

La Muhr Weinhandel und Cateringgesellschaft, Gmunden

Linzer Straße 142, 4810 Gmunden, A
PlanerIn: Rüdiger Fritz (2006-2007) BauherrIn: Karl Muhr

"Fitness im Genießerland"

Mit diesem Bauwerk dringt der Holzbau in das Neuland der von Keller- und Massivbauten dominierten Hallen einer (geheiligten) vielfach inszenierten Welt der Weinkultur vor. Und er macht gute Figur! Der Verkaufs- und Degustationsraum einer Weinhandel- und Cateringgesellschaft am Rande des (traditionell holzbaudominierten Salzkammergutes) entfaltet alle atmosphärischen Tugenden die dem Holzbau eigen sind. Der in seiner Form und Konstruktion schlichte Anbau bietet außen, über wechselnde Schalungsbretter, ein subtiles, rhythmisiertes Fassadenspiel. Innen geben dunkel gefärbte OSB-Platten jenen nobel-neutralen Hintergrund, welcher der Wirkung des (ästhetischen) Warenangebots den Vortritt lässt. Eichenholz an Boden und Decke: eine Stimmung von Wärme und Behaglichkeit, von Kultur des Bauens und Genießens. (RG)

© werkstatt:architektur
05

Galerie 422, Gmunden

An der Traunbrücke 9, 4810 Gmunden, A
PlanerIn: Karl Odorizzi

"Brückenkopf der Kunst"

Historische Substanz, schlechter Bauzustand und noch dazu kräftige Niveauunterschiede zwischen den beiden ursprünglichen Gebäuden - übliche Voraussetzungen für Projekte im Altstadt-Gefüge, aber keine unüberwindlichen Hindernisse für eine engagierte Bauherrin, die vom Standort überzeugt ist und ihre aus der Kunst-Szene nicht mehr wegzudenkende Galerie auch noch nach der örtlichen Adria-Kote benennt. Als jüngster Bau im Ensemble hat das später erworbene Eckgebäude durch eine textile Intervention von Peter Kogler "Gesicht" erhalten: Der semitransparent vorgespannte Schirm, signalisiert den Inhalt nach außen und tritt in einen sachlichen, unaufgeregten Dialog mit dem Sgraffito-Haus in der Linzerstraße.

© Pia Odorizzi
06

Forstverwaltung, Ebensee

Steinkogelstraße 25, 4802 Ebensee am Traunsee, A
PlanerIn: F2 Architekten

"Boden-Stämmig"

Einer symphonischen Dichtung gleich widmet sich das neue Verwaltungsgebäude der Österreichischen Bundesforste AG von Konstruktion bis ins Innenleben durchgängig dem Thema Holz (das Material ist hier ja Pflicht). Runde Stützen, die "Stämme", tragen ein weit auskragendes Dach, unter dessen "Blätterschirm" sich die Büroräume wie "Hütten" um eine kleine Waldlichtung, sprich den Innenhof, gruppieren. So lyrisch diese Beschreibung klingen mag, das Gebäude ist funktional, energieoptimiert und vereint Tradition mit zeitgemäßen, modernen Formen.

© F2 Architekten
07

Zeitgeschichtemuseum und KZ-Gedenkstätte, Ebensee

Kirchengasse 5, 4802 Ebensee am Traunsee, A
PlanerIn: Bernhard Denkinger

"Erinnerungskultur"

In Mitten des Salzkammergutes, dieser von der Tourismuswerbung gleichermaßen idealisierten wie strapazierten Landschaft, stellt sich ein Ort der eigenen Vergangenheit. Ein Zeitgeschichtemuseum und eine Gedenkstätte erinnern an die bewegte politische Geschichte des Salzkammerguts zwischen 1918 und 1955 - auch im Kontext der größeren, gesamtstaatlichen Zusammenhänge. Das Museum im ehemaligen Schulgebäude widmet sich auf mehreren Ebenen der Vergangenheit: Fotos, Dokumente, Zeitungsausschnitte (auf Glas kaschiert) überlagern in sparsamer, aber wirkmächtiger Ausstellungsdidaktik Erläuterungen, Kommentare, Bildunterschriften (auf roh belassenen Eternittafeln). Die Ausstellung im nahen, ehemaligen KZ-Stollen 5 erläutert verhalten dieses im doppelten Sinn "negative" Bauwerk als Denkmal des Unrechts.

© Rupert Steiner
08

Villa Seilern Vital Resort, Bad Ischl

Tänzlgasse 11, 4820 Bad Ischl, A
PlanerIn: Architekten Scheicher (2005-2008) BauherrIn: Provita PROVITA Projektgesellschaft mbH

"Kaiserliche Wellness"

Wo schon Josef Strauß und Alexander Girardi die illustre Gästeschar der Gräfin Seilern unterhielten, kann auch heute das Publikum seine Sommerfrische genießen. Im Zuge der Adaptierung in ein Viersternehotel wurde die klassizistische Salzkammergut-Villa aus 1881 durch einen Neubau ergänzt, der sie wie ein Juwel fasst. Immer wieder wird von dort aus der historische Kern überraschend und spielerisch ins Blickfeld gerückt und ist damit im gesamten Resort präsent.
Im Innenleben des Hauses wird humorvoll und spielerisch mit dem "kaiserlichen" Lokalkolorit kokettiert. In den Zimmern gelingt der Beweis, dass heimische Zirbe auch ohne rustikale Schnitz-Exzesse ihre stofflichen Qualitäten in der Tourismusarchitektur entfalten kann.

© Wolfgang Stadler

Five Fingers, Obertraun

4831 Obertraun, A
PlanerIn: Dieter Wallmann

"Schwindelfrei"

Wer Nervenkitzel sucht ohne sich gleich dem Risiko eines Absturzes aussetzen zu wollen, der muss in der Region der "Dachstein-Höhlen- und Wanderwelten" die "Five Fingers" besuchen. Unter Einsatz von Glas als Fußbodenmaterial ragen fünf meterbreite Stege fingerförmig und gerade so weit über die 400 m senkrecht abfallende Felswand des Krippensteins hinaus, dass man in Sicherheit - auf die Kunst der Technik vertrauend - über dem Abgrund die Aussicht genießen kann.
"Five Fingers" sind Teil eines umfassenden Kulturprojektes, das unter anderem auch 12 künstlerische Installationen in den Höhlen und die Erneuerung der gesamten Infrastruktur inklusive neuer, barrierefreier Themenwege beinhaltet.

© Wallmann Architekten