ArchitekTOUREN

Oberes Kremstal und Pyhrn-Priel-Region

Wenns bergig wird, beginnt auch für die Architektur ein anderes Klima zu wehen. Bauen im alpinen Raum wird zunehmend thematisiert, zumal gerade aus diesem Bereich wesentliche Anregungen und Einflüsse auf die zeitgenössische Architektur kommen. Auffallend ist das neue, urbane Bewusstsein, das den pseudoromantischen Bergbauernstil zumindest im kommunalen und öffentlichen Bau verdrängt hat. Moderne Dienstleistung will mit modernen Mitteln vertreten werden.

Auswahl, Text: Christa Lepschi

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5 Bauwerke gefunden:
01

Bundesschulzentrum Kirchdorf

Weinzierler Strasse 22, 4560 Kirchdorf an der Krems, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (2000-2003) BauherrIn: BIG

"Wie viele Aufenthaltsräume haben Sie in Ihrer Schule?" die forsche Frage erwartet keine Antwort, denn das ist dem stolzen Herrn Direktor bewusst, hier ist seine Schule im österreichischen Kontext kaum schlagbar. Unter laufendem Betrieb wurden Gymnasium und HBLA um einige Trakte erweitert. Die Hanglage wurde genutzt, eine öffentliche Sockelzone zu schaffen mit einer großzügigen Aula, durch die der Raum vom hangseitigen Eingang bis zum talseitigen Ausgang zu den Sportanlagen durchfließt. Bei den mannigfaltigen Veranstaltungen und Festen wird direkt aus der Übungsküche serviert. Auf der Galerie erstreckt sich ein Aufenthaltsbereich mit Ausspeisung und Bibliothek. Quer dazu wurde eine Verbindungsachse zur ebenfalls neuen Mehrzweckhalle geschaffen, die den Turnsaal erschließt und über das verglaste Dach Binnenräume belichtet. Die darüberliegenden Klassentrakte sind hell und lichtdurchflutet und enden in freundlichen Aufenthaltsbereichen mit Panoramablick in die umliegende Berglandschaft. Den inneren Qualitäten Rechnung tragend wurden die Außenanlagen von Anna Detzlhofer mit landschaftsplanerischer Professionalität gestaltet. An sie knüpft Kunst am Bau von Liam Gillick an mit Tagträumen vom Raum-, Zeit- und Daseinsfluss.

© Josef Pausch
02

Dreifachturnhalle

Weinzierler Strasse 22, 4560 Kirchdorf an der Krems, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (2000-2002) BauherrIn: Gemeinde Kirchdorf a. d. Krems

An einen Holzbau durch und durch denkt niemand beim Anblick der urbanen Anlage, die mit großer Glasfassade den Hang auffängt, sich auf einem Betonsockel abstützend, der die Nebenräume enthält, einen Teil des Parkplatzes überragt, und somit nur mehr Raum ist. Sie empfängt ihre Gäste im weiten Foyer und führt sie über Treppen in die Galeriebereiche, wo sie vom Ausblick Abschied nehmend sich den Darbietungen in der Dreifachturn- bzw. Mehrzweckhalle widmen. Was sie an großzügiger Aussicht einnimmt, gibt sie an Stimmung wieder. Die homogene Holzoberfläche, die den Raum beherrscht, taucht die nüchtern sportliche Atmosphäre in weiches, warmes Licht; wohl schlicht und ohne Starallüren spielt sie zusammen mit ihrer Fassade bei Sonnenuntergang im Farbenmeer ihren Trumpf aus.

© Josef Pausch
03

Römerfeldschule Windischgarsten

Gleinkerseestraße 13, 4580 Windischgarsten, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten

Als Skulptur, die nichts braucht als eine klare Struktur von Oberfläche, Raum und Licht, definiert sie sich zuerst selbst: als Quader, der zu allererst im üblichen Wildwuchs am Rand einer ländlichen Schwerpunktgemeinde den Ort ordnet. In seine an der Fassade deutlich ablesbare Zonierung von lagernden Sockel- und Regelgeschoßen werden Außenbereiche eingeschoben und eine zentrale Stiegenanlage vertikal durchgesteckt. Damit sind seine Nutzungen, eine Musikschule, ein Gastronomiebetrieb und ein Mehrzwecksaal wie selbstverständlich angeordnet und Teil der inneren Struktur. Farbe und Licht führen durch das Gebäude und leiten hinaus, dorthin, wo es einen Raum braucht, um die atemberaubende Berglandschaft aufzunehmen. Hier laufen sie in feine Linien aus, entlang an den Rändern und Kanten und erzeugen ein Lächeln, das schon gehalten hat, was es verspricht: hier sich wohlzufühlen mit allem, was da geboten ist: mehr geht nicht!

© Josef Pausch
04

Genusszentrum Schlierbach

Klosterstraße 1, 4553 Schlierbach, A
PlanerIn: Luger & Maul (2004) BauherrIn: Käserei und Glasmalerei GmbH

Nichts ist Pater Alfred so heilig wie sein Käse! Diesen Eindruck gewinnt der Gast beim Besuch des Genusszentrums des Stiftes Schlierbach. Aber es ist nicht der einzige Genuss, der hier geboten wird. Vom Haupteingang im Hof des Stiftes steigt man erwartungsvoll ins Obergeschoß des Gebäudes, das am äußersten Rand des am steilen Hanges situierten Komplexes emporragt. Die Kunst war nicht nur, das alte Gemäuer ohne komplizierte Konstruktionen mit einem weiten hellen Raum zu überspannen, sondern dem sparfreudigen Projektleiter des Stiftes eine dem Gebotenen entsprechende räumliche Dimension abzuringen. Das ist dem Architektenteam gelungen. Nach dem Beschnuppern diverser Köstlichkeiten begibt man sich gern an die großzügige Glasfront und genießt den berühmten Schlierbacher Käse während das Auge weit in die Landschaft hineinschweift. Erlaubt es die Witterung wird zu einer großen Terrasse hin geöffnet. Aber der Käse ist nicht das einzige Schmelzbare, das hier gewonnen wird. In den unteren Geschossen wird wie in alten Zeiten Kunst aus Glas geschaffen. Sie vollendet den bereits in der Bezeichnung versprochenen Genuss.

© Walter Ebenhofer
05

Höss-Halle

Mitterstoder 38, 4573 Hinterstoder, A
PlanerIn: Riepl Riepl Architekten (2001-2002) BauherrIn: Gemeinde Hinterstoder

Inmitten des bekannten Wintersportortes gelegen setzt die Hösshalle sowohl einen dörflichen Brenn- als auch einen formalen Kontrapunkt. Der markante Baukörper beherbergt einen monochromen Raum (MDF lasiert) der seine Attraktivität aus dem fast zu schönen Ausblick auf die Landschaft bezieht. Ursprünglich als Stahlbau konzipiert, steckt nun, dank dem Engagement der ausführenden Holzbaufirma, hinter dem schlichten Bau ein ausgeklügeltes Stützensystem aus Hohlkästen, das ein räumlich anspruchsvolles System hoher Schichtholzträger und statisch aktiver Scheiben trägt.

© Josef Pausch